Nicht nur (aber sicher auch!) über die Wartezeit. Das hat man ja irgendwie verstanden, auch wenn es hieß, es wird „schnell“ gehen. Aber dann nicht ernst genommen werden (diese Lunacek-PK war ja wirklich ein Schlag ins Gesicht für jeden Kulturschaffenden) und dann immer vertröstet werden (selbst beim Rücktritt hat Lunacek ja quasi Unverständnis ausgedrückt, dass die angekündigten Maßnahmen nicht gereicht haben, um die Lage zu beruhigen - und mit Ankündigung meinte sie, dass bekant war, dass die NGOs und die Vereine 700 Millionen Euro bekommen, es aber noch immer keine Ankündigung gibt, wie das aufgeteilt wird und was die Kriterien sind (die FPÖ plakatiert ja schon, dass das Geld fast vollständig in die „Schlepper-NGOs“ gehen wird, was sicher Blödsinn ist, aber momentan kann man da nicht mal mit Fakten dagegen arbeiten). Und viele Künstler sind halt auch EPUs, und dass der Härtefallfonds für diese nicht gut funktioniert, ist ja (hoffentlich) mittlerweile bekannt.
Falls du da den Kulturbereich meinst: Momentan sind die Regeln für viele Kulturbereiche noch gar nicht definiert (abgesehen von Museen etc, aber jetzt bei den Theatern und Kinos und Konzerten). Man hat einen Rahmen angekündigt, jetzt diskutiert man mit den Kulturschaffenden. Endgültige Regeln soll es erst glaub ich Ende der Woche oder nächste Woche geben. NOCH ist also alles nicht klar definiert. Klar ist aber schon, dass der Rahmen zu Diskussionen geführt hat.
Allein die Abstandregelung im Saal - wenn ich einen Meter in jede Richtung brauche, dann wird die Kapazität gewaltig eingeschränkt. Und zwar oft unter einen Wert, der wirtschaftlich noch sinnvoll ist. Ich hab von Theaten schon Beispiele gesehen, wo von 100 Sitzplätzen 40 übrigbleiben. Da noch sinnvoll und wirtschaftlich und qualitativ zu arbeiten, wird schwer. UND dann muss das Publikum ja auch noch kommen. Ich kann nur von meinem Verein reden - wir kalkulieren mit einer Auslastung von ~70% in meinem Heimattheater. Alles darunter wird wirtschaftlich ganz, ganz schwer. Und einfach mehr spielen ist halt auch nicht die Lösung (das wurde z.T. in Deutschland vorgeschlagen) - es entstehen ja auch mit jeder Aufführung Fixkosten und nicht jeder Termin ist gleich gut.
Aber auch hier: Wenn es gesundheitspolitisch so sein soll, dann soll es so sein. ABER dann bitte für alle. Nicht im Wirtshaus sagen, ist wurscht, wenn da vier Leute plus Kinder aus unterschiedlichen Haushalten zusammensitzen. Nicht im Flugzeug sagen, da können alle Sitzplätze verkauft werden, wenn alle Masken tragen, aber im Theater muss Abstand gehalten werden. Gerade letzteres Beispiel finde ich einem Theatersaal nicht unähnlich - die Leute kommen ähnlich gleichzeitig, gehen gleichzeitig, verbringen viel Zeit im Sitzen miteinander, die Leute kommen aus ganz unterschiedlichen Haushalten zusammen. Warum da weniger Einschränkungen? Das hat mir bislang noch keiner erklären können.
UND man muss sich halt überlegen, ob man noch Kultur will. Gerade kleinere Vereine überlegen jetzt, endgültig zuzusperren, weil sie sich das nicht leisten können. Würde man gleichzeitig (und das wird ja öfter gefordert) einen Ausgleich für die entgangene Kapazität anbieten, dann wäre das sicher ein riesiger Pluspunkt. Oder die Vereine mal wirklich unterstützen. So werden viele kleine nicht überleben, die ohne oder mit kaum Subvention bislang eigentlich vielleicht ganz gut dagestanden sind, während die mit genügend Subventionen schon überleben werden. Es gibt ja genug (auch große) Kulturinstitutionen, wo der Kartenverkauf einen eher geringen Anteil an den Einnahmen ausmacht.
Eines noch: Natürlich ist sich jeder irgendwie selbst der nächste. Dass ich so viel über den Kultursektor sage, liegt halt auch daran, dass ich davon lebe. Ich verstehe aber auch jeden anderen, der unter der Situation leidet - sei es, weil er nicht aufsperren darf, weil er aufsperren darf und sich mit Regelungen herumschlagen muss, etc. Meiner Ansicht nach sollten wir uns hier nicht gegeneinander ausspielen lassen - momentan liest man ja schon (wieder Kunstsektor) „Jetzt jammern die Staatskünstler“ oder „kaum bekommens keine Förderungen, sinds deppat“ oder „jetzt werden die ohnehin bankrotten Kulturbetriebe gerettet“. Wir sind alle getroffen. Und wir hatten alle ein legitimes Business, das durch Corona eingeschränkt oder eine Zeit lang sogar ganz gesperrt war. Meine persönliche Ansicht ist, dass allen geholfen werden sollte - wie auch immer. Wir sind ein Sozialstaat, wir zahlen genug dafür in guten Zeiten, da erwarte ich mir auch sinnvolle Hilfe zu Zeiten, wo das nicht funktioniert. Ich muss nicht aufsperren, wenn es keinen Sinn macht, auch wenn es mich als Künstler trifft. Aber man sollte halt auch von Seiten der Politik schauen, dass möglichst viele die Krise überstehen. Und genau da sehe ich (als EPU und als Teil eines Vereins) gerade viel, was falsch läuft, und was schnell gefixt gehört. Gerade die EPUs und Vereine haben oft nicht die großen Reserven, hier kann man nicht ewig warten.