Spannend wie manche hier an dieses Meisterwerk herangehen 
Hab schon etwas Angst, wenn wir durch die dunkle Roger Moore Ära gehen müssen.
Zum Thema:
Schon in der Pre-Title-Sequenz von „Goldfinger“ steckt gefühlt mehr Einfallsreichtum als in manchem kompletten Film. Bond erledigt eine Mission, gönnt sich zwischendurch sogar eine Zigarette, es kracht ordentlich, ein kurzer Damenbesuch geht sich auch noch aus – und obendrauf wehrt er nebenbei einen Ganoven ab. Das sind nicht einfach „die ersten Minuten“, das ist ein in sich geschlossenes Mini-Bond-Abenteuer, inklusive zwei ikonischer Bilder: der Anzug, der unter der Tauchermontur zum Vorschein kommt, und dieses herrlich absurde Spiegelei im Auge der Dame, die Bond aufsucht. Und wir sind da gerade mal bei den ersten fünf Minuten.
Mindestens genauso stark ist dann die legendäre Titelsequenz selbst: ein goldener Frauenkörper, über den die Credits laufen und dazu gleich der Titelsong, der nicht nur „gut“, sondern ein zeitloser Klassiker ist. Shirley Bassey liefert das Ding mit Tempo, Biss und einer Wucht ab, die einfach sitzt. Und ja: Der Erfolg der Filmmusik hat damals sogar die Beatles in den Charts in die Schranken gewiesen. John Barrys Score ist ohnehin makellos und im Film praktisch omnipräsent, ohne je zu nerven.
Bond-Film Nr. 3 setzt dann von Beginn der Haupthandlung an auf Duell. Selten trifft Bond so früh auf den Hauptwidersacher wie hier und dieses erste direkte Kräftemessen ist sofort auf Kante genäht. Wie Bond Goldfinger „bestraft“ und wie seine Sekretärin dafür büßen muss, gehört für mich zu den Szenen, die man einmal sieht und nie wieder vergisst.
Und dann die Ausrüstung: Hier wird alles potenziert. Statt eines Köfferchens gibt’s gleich einen vollgestopften Aston Martin mit Extras: das Bond-Auto schlechthin. Allein wenn man bedenkt, dass diese Legende Jahrzehnte später sogar in „Casino Royale“ wieder auftaucht. Während die Bond/Q-Momente in den ersten Filmen noch eher knapp gehalten waren, wird in „Goldfinger“ auch der Ton für die beiden definiert, der der Reihe lange erhalten bleibt: Bond nimmt Qs Arbeit gern als Selbstverständlichkeit und kassiert dafür zuverlässig eine trockene, verbale Ohrfeige.
Eine der stärksten Duell-Szenen überhaupt ist für mich das Golfspiel zwischen Bond und Goldfinger. Dieses Abtasten, dieses gegenseitige Vermessen, genial geschrieben und gespielt. Und Goldfingers Warnung, sobald er merkt, dass Bond wirklich gefährlich werden kann, ist herrlich deutlich. Stichwort: Oddjobs Melone.
Pfiffig ist auch, dass der Film gleich zwei Frauen präsentiert, die gegen Bonds Charme erstmal immun sind: Tilly und Pussy. Letztere lernen wir in einer wunderbar geschriebenen Szene kennen, in der Bond sich aus der tödlichen Bedrohung durch Goldfingers Laser regelrecht herausredet. (Dass das bei Pussy nicht für den ganzen Film so bleibt, geschenkt.) Und allein der Name Pussy Galore ist so absurd wie grandios, gleichzeitig ein perfektes Beispiel dafür, wie sexistisch Fleming bisweilen sein konnte. Ausgerechnet dieser Name hätte „Goldfinger“ in den USA beinahe eine Freigabe nur für Erwachsene eingebracht.
Dazu kommen wieder erstklassige Kulissen: Goldfingers Laserraum, sein Billardzimmer, später Fort Knox, das hat alles Stil, Größe und diesen ganz eigenen 60s-Bond-Glanz.
Auch das Finale funktioniert richtig gut. Klar, es gibt kleine Schwachpunkte: Der Zeitzähler der Bombe verhält sich zwischen Film- und „Echtzeit“ ziemlich flexibel, und manche Modellaufnahmen (z. B. von Goldfingers Jet) sind deutlich als solche erkennbar. Aber ganz ehrlich: Das sind Kleinigkeiten, die man in einem Film dieser Klasse locker übersieht. „Goldfinger“ ist für mich bis heute einer der bis ins Detail am perfektesten gemachten Bond-Filme überhaupt.
Danke an @Ella tolle Aktion!
Sehr cooles Interview: