Ich verlinke hier mal meine (spoilerfreie
) Kurzkritik aus dem entsprechenden Thread:
Sid Meier’s Memoir! A Life in Computer Games
Es gibt ohnehin schon nicht so viele Bücher, die sich mit Videospielen ernsthaft auseinandersetzen. Die meisten befassen sich dann auch noch wesentlich lieber mit dramatischen Geschichten aus der Produktion und tückischen Geschäftsmanövern als mit dem Medium selbst. Das ist absolut fair, und ich genieße diese Storys selbst, aber tatsächlich lässt sich daraus nur selten viel für die eigenen Spiele gewinnen.
Sid Meier bietet das Gegengift. Er geht mit uns durch seine gesamte Ludografie und zeigt, wie die Philosophie hinter Design-Entscheidungen zeitlos bleibt. Egal ob am Amiga, NES, auf der Xbox 360 oder bei Facebook-Games. „Follow The Fun“, „Create interesting decisions“, „Playtesting is fact“ und noch viele andere Prinzipien sind Grundpfeiler, an denen sich jedes Spiel zu orientieren hat. Meier macht sie durch anschauliche Anekdoten greifbar und nachvollziehbar. Natürlich ist auch der Blick hinter die Kulissen von „Pirates!“ oder „Civilization“ unwiderstehlich.
Nach „Masters of Doom“ vermisse ich jedoch eine differenziertere Perspektive auf Meiers Schaffen. Er gibt Fehler zu, redet auch offen über Spiele, die komplett daneben gingen (C.P.U. Bach – ich verstehe noch immer nicht wer an diese Idee geglaubt hat), allerdings lässt er es wirken, als wäre die Produktion seiner Spiele relativ entspannt vorangegangen. Nie ist die Rede von Crunch oder von giftigem Verhalten (stattdessen sind mehrere Seiten plus ein ganzes Kapitel der eigenen Reinwaschung gegenüber der „Cancel Culture“ gewidmet). Meier beschreibt sich selbst als überwiegend positiven Menschen, der nur auf die schönen Dinge im Leben zurückblicken möchte – jedoch lässt das den unfassbar schwierigen Akt der Videospielentwicklung oft etwas zu rosig erscheinen.
Nichtsdestotrotz ist dieses Buch ein Geschenk an alle Game-Devs und Videospielinteressierte. Meier serviert uns Jahrzehnte an Entwicklungserfahrung und Game-Design-Prinzipien auf dem Silbertablett. Für Designer* absolute Pflichtlektüre.
„I think that in life, as in game design, you have to find the fun. There is joy out there waiting to be discovered, but it might not be where you expected. You can’t decide what something’s going to be before you embark on it, and you shouldn’t stick with a bad idea just because you’re fond of it. Take action as quickly and repeatedly as possible, take advantage of what you already know, and take liberties with tradition. But most importantly, take the time to appreciate the possibilities, and make sure all of your decisions are interesting ones.“
The Nix - Nathan Hill (2016)
Als der republikanische Präsidentschaftskandidat von einer älteren Dame im Park attackiert wird überschlagen sich die Ereignisse. Sie wird zum Staatsfeind Nummer 1, ihr Sohn welchen sie als Kind verlassen hat macht sich auf um ihre Lebensgeschichte gegen sie zu verwenden und ein alter Feind aus ihrer Studienzeit setzt Himmel und Hölle in Bewegung um sie ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen.
Nathan Hill hat sich mit seinen beiden Romanen (der zweite ist „Wellness“ welchen ich weiter oben im Thread erwähne) schnell zu einem der spannendsten aktuellen Authoren gemausert. Seine Werke sind massive aber auch detaillierte Auseinandersetzungen mit unserer Gesellschaft durch die Perspektive spannender Chartaktere. Von der Studentenbewegung 1968 in Chicago, über die Unterdrückung von Sexualität zur Abhängigkeit von Online Videospielen - Nathan Hill macht feinste Recherche zu den vielfältigen Themen welche er in seinen Roman behandelt und erzählt ganz nebenbei spannende humanitäre Geschichten bei denen schon mal der Atem stehen bleiben kann. Sollte ich Chicago jemals besuchen habe ich das Gefühl dass ich mich dort dank seiner lebendigen Bücher bestens zurecht finden werde.
Dementsprechend brauchen seine Bücher eine lange Zeit bis sie veröffentlicht werden aber ich freue mich trotzdem schon was auch immer er als nächstes herausbringen wird.
Super Nintendo: The Game-Changing Company That Unlocked the Power of Play
-Keza MacDonald
MacDonald schreibt die ultimative Nintendo Historie. Zusammengestückelt aus hunderten Quellen - unter anderem Interviews die sie selbst mit Legenden wie Miyamoto geführt hat - wird hier der Vorhang des Unternehmens weiter hochgezogen als ich es je gesehen hätte. Wichtiger ist aber wie sehr MacDonald es schafft mithilfe diverser Meilensteine die Schaffenden hinter Nintendo zu vermenschlichen und zu zeigen welche Prozesse es genau sind welche den „Nintendo Touch“ kreieren. Eine Historie zu NINTENDO klingt wie etwas selbstverständliches etwas dass es bestimmt schon in so hoher Qualität geben sollte…aber nein wie all die besten Ideen gehört so etwas erst einmal umgesetzt und MacDonald hat es geschafft. Große Empfehlung an alle Videospielenden.
…
‘Making a game combines everything that’s hard about building a bridge with everything that’s hard about composing an opera. Games are basically operas made out of bridges.’
Das Eulentor (überarbeitete Neuausgabe 2026) von Andreas Gruber
Alexander Berger, junger aber unmotivierter Arzt aus Wien, will ein Abenteuer erleben. 1911 macht er sich mit einer Kartographin aus Island und einer Hand voll Norweger auf, die bislang nicht erforschte arktische Insel Spitzbergen zu erkunden. Freilich hat man die ungnädige Natur der Arktis unterschätzt und die Expedition droht katastrophal zu scheitern.
Eines Nachts tut sich unter dem Mannschaftszelt ein mysteriöser Schacht auf. Sein Durchmesser entspricht exakt der Kreiszahl Pi und er scheint endlos in die Tiefe zu gehen. Fortan verschreibt sich Alexander Berger der Erforschung des Schachts - und das hat Konsequenzen ungeahnten Ausmaßes.
Die neu überarbeitete und in diesem Jahr herausgegebene Ausgabe dieses bereits mehrfach veröffentlichten Romans ist um einen Handlungsstrang in der Gegenwart erweitert, der sehr okay´isch ist und die ursprüngliche Geschichte vermutlich abrundet. Die Hauptstory um Alexander Berger im frühen 20. Jahrhundert aber ist phänomenal packend, düster und beklemmend. Der „Horror“ ist größtenteils subtil, greift in der Vergangenheits-Ebene ziemlich gut, wird am Ende leider etwas platt.
Insgesamt sehr solide Suspense.
Ungezähmtes Grenzland: Eine historische Western-Saga
durch 1883 und 1923 bin ich etwas in die „western“-zeit gekippt. wollte mehr über die kolonialisierung „erfahren“.
das buch erzählt das leben und überleben von drei protagonisten - eine gefangene der indianer (sorry, natives), einen jungen der in die armee eintritt, und ein weiterer junge der seinen weg als cowboy geht.
find ich schon sehr spannend, wies da in etwa zugegangen sein muss, welche widrigkeiten es gab, usw…
die geschichten sind recht kurzweilig und motivieren stets zum weiterlesen.
was an dem buch zurecht kritisiert wird, ist die sehr einseitige sicht durch die brille des „weißen mannes“. indianer werde halt einfach als „wilde“ bezeichnet, ohne auf die verbrechen der kolonialisten einzugehen. aber gut, wenn man das ausblenden kann/will und eine differenzierte sichtweise im hinterkopf behält, dann wird man durchaus gut unterhalten.
meine faszination für diese zeit ist nach dem buch ungebrochen - als nächstes „brauche“ ich daher doch noch red dead redemption 2 (ich mag kein open world). da komm ich wohl nicht dran vorbei… ![]()
Zzt. Achtsam Morden Teil 1. Großartig wie diese Kombination aus Verbrechen und innerer Ruhe kombiniert wird. Sarkastisch, ironisch, witzig und einfach ein bissl schräg, aber auch die Tochter/Vater Beziehung mit so viel Liebe dargestellt.
Die Serie hatten wir vor ca. 1 Jahr gesehen - es wurde sehr akurat umgesetzt. Wer nicht gerne liest, schaut sich die Serie auf Netflix an!
Margaret Mitchell - Gone With The Wind:
Ich habe selten so ein Wechselbad der Gefühle mitgemacht wie bei der Lektüre dieser 1024 Seiten.
Stilistisch und narrativ ist das glaube ich eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. In teils nüchternem Stil hat die Autorin ein sehr lebendiges, im Ausmaß schon episches Porträt einer Welt erschaffen, die es längst nicht mehr gibt und die vor den Augen der Protagonisten untergeht: der „alte Süden“ der USA, der im Zuge des Bürgerkriegs verschwindet. Mittendrin die umschwärmte, verwöhnte Scarlett O’Hara, Tochter eines Plantagenbesitzers, die nach dem Krieg vor dem Nichts steht und durch ihre Traumata dazu getrieben wird, ohne jegliche Rücksicht auf ihr Umfeld wieder an Geld zu kommen: as God is my witness, I’ll never be hungry again! Sie widersetzt sich allen gesellschaftlichen Konventionen, die in Bezug auf „damenhaftes“ Verhalten bestehen, wird erfolgreiche Geschäftsfrau und gehört irgendwann zur neuen Elite von Atlanta, der Hauptstadt von Georgia. Aber zunehmend verliert sie ihre alten Unterstützer, die sich nach und nach von ihr entfremden…
Und es gäbe noch viel mehr zur Handlung zu sagen (wer den Film kennt, kann sich das eh ungefähr vorstellen). Eine irrsinnig fesselnde, toll geschriebene Geschichte, die einen sehr viele Dinge fühlen lässt. Darunter allerdings auch stellenweise Abscheu über den Rassismus, der tief in den Figuren steckt und durch die Erzählung auch ungefiltert wiedergegeben wird. Das ist beim Setting (US-Südstaaten während des Bürgerkriegs und der Reconstruction-Ära) wohl nicht zu vermeiden, es gab jedoch Passagen, da musste ich trotzdem wirklich schlucken. Ob ich das Buch jetzt uneingeschränkt empfehlen würde, das weiß ich ehrlich gesagt nicht, mich hat das Ganze jedenfalls - im Guten wie im Schlechten - nicht losgelassen und wird mich bestimmt noch länger beschäftigen.



