The Umbrella Academy

Riesige Muskel-Hünen mit dem Körper eines Weltraum-Gorillas, sprechende Schimpansen-Ausbilder, ein Goldfisch als CEO eines Zeit-Kontroll-Konzerns, Toten-beschwörende Junkies, Schaufenster-Puppen als apokalyptischer Love-Interest, Präsidenten-mordende Aliens, wild umher teleportierende Raum/Zeit-Korrektur-Killer und natürlich der Weltuntergang: Das sind die Zutaten, aus denen Netflix (u.a.) in seiner Comic-Adaption „Umbrella Academy“ eine Helden-Clique strickt, die mit den gängigen Superhelden-Klischees so mühe- und respektlos Ping-Pong spielt, dass von denen am Ende nur ein paar rauchende Stiefel und bunte Stretch-Unterwäsche übrig bleiben.

Der Genre-typische Weltuntergang ist hier übrigens gleich so hartnäckig, dass er die bunt zusammengewürfelte Stiefgeschwister-Truppe über gleich drei Staffeln hinweg verfolgt. Von den 2010er-Jahren in die 60er und zurück in eine alternative 2010er-Zeitlinie. Immer aus anderen Gründen, aber jedesmal noch zerstörerischer und endgültiger als beim letzten Mal.

Das geht sogar so weit, dass sich Luther, Diego, Klaus, Nummer 5, Vanya alias Viktor und ihre anderen Adoptiv-Geschwister nebst neu gewonnener Freunde in der dritten und offenbar vorletzten Staffel zwischenzeitlich resignieren und fragen, ob sie denn überhaupt noch gegen das dräuende Ende kämpfen oder es einfach geschehen lassen sollen. Immerhin haben sie gerade erst verhindert, dass der von ihrer übermächtigen Schwester Vanya (inzwischen Viktor) aus der Bahn gekegelte Mond auf die Erde stürzt (Staffel 1) und die Welt im nuklearen Holocaust verpufft (Staffel 2).

Außerdem hat – wie gehabt – jedes Mitglied der schrägen Antihelden-Familie eigene Probleme, über die man auch gerne mal die Apokalypse verschwitzt: Während Luther in einem Anfall von „Romeo & Julia“-Verliebtheit die zur konkurrierenden „Sparrow Academy“ gehörende Sloane daten will, wird Messerwerf-Wunder Diego auf einmal Vater, wagt Nummer 5 einen Blick in die eigene, unschön verstümmelte Zukunft, lernt Kadaver-Kuschler Klaus, wie man einen todsicheren Abgang hinlegt, entwickelt sich Allison in Redkordgeschwindigkeit zur unversöhnlichen Superzicke, arbeitet Viktor vermeintliche Verfehlungen aus der zweiten Staffel auf und entdeckt Papa Hargreeves zumindest scheinbar sein Herz.

Es wäre kein Wunder, würden Showrunner Steve Blackman und seine Kollegen über so viel Schrägheit und überbordende, visuell verspielte Skurrilität fast jegliche Empathie vergessen – aber in genau in dieser Disziplin punktet die „Umbrella Academy“ wie kaum ein anderes Superhelden-Format. Weil man sich nicht nur im Detail den kleinen bis kolossalen Dysfunktionalitäten der herrlich verschrobenen Figuren widmet, sondern sie außerdem durch ein gemeinsames Trauma vereint – die gnadenlose und kalte Erziehung durch ihr Adoptivvater-Alien Sir Reginal Hargreeves, dem in dieser Staffel eine ganz besondere Bedeutung zukommt.

Indem man jede Figur entweder direkt an dieses gemeinsame Trauma andocken oder sie in seinen Sog geraten lässt, funktioniert die „Umbrella Academy“ als eine Art tragikomische Familien-Saga mit zuweilen fast Sitcom-ähnlichen Untertönen, in der zwar jeder Charakter sein ganz persönliches Drama durchlebt und auf eigenen, selbst- bis universal-zerstörerischen Geheimnissen hockt, am Ende aber immer wieder in den Schoß der Familie zurückkehrt, die ihn überhaupt erst so kaputt gemacht hat. Um Kraft zu tanken und eine ganz eigene, schräge Version von Liebe zu genießen – oder auch, um zu konspirieren und sich für sein verbocktes Dasein zu revanchieren.

Dass die Rettung der Welt darüber manchmal zur Nebensache gerät, ist ebenso wenig verwunderlich wie der Umstand, dass das Universum immer in exakt in dem Maße defekt zu sein scheint wie die Umbrella-Academy (benannt nach dem Unternehmen ihres Ziehvaters) und ihre (anti)heldenhaften Sprösslinge. Warum das so ist, das erfahren wir in Staffel 3 zwar noch nicht so ganz – aber immerhin kommen wir der Lösung des hargreev’schen Familien-Geheimnisses (endlich) einen entscheidenden Schritt näher.

Wer ein Faible für zutiefst beschädigte Heldenfiguren mit burtoneskem Einschlag hat, der sollte sich für diese kapriziös-kaputte Geschichte (in 30 Folgen zu je ca. 45 Minuten) unbedingt Zeit nehmen – und damit für eine Netflix-Serie, die leider immer wieder im Schatten der Massen-tauglicheren „Stranger Things“ verschwindet, dabei aber gerade in Bezug auf ihre Figuren-Entwicklung und pures, ungezügeltes Ideenreichtum so viel mehr zu bieten hat.

Nachdem ich Staffel 2 mehr aus Neugierde als wirkliches Interesse verfolgt habe, holt mich Staffel 3 dafür sehr schnell ab. Hab jetzt 2 Folgen gesehen und freue mich schon auf den Rest!

Staffel 1 war nicht schlecht. Die 2. hab ich noch besser in Erinnerung. Da aber von der 2.leider keine gute Zusammenfassung vorhanden ist wie von Staffel 1 schaun wir jetzt die 2. noch mal bevor wir die 3. angehen.

Nr 5 ist einfach genial.

ich hab mir zur vorbereitung auf die dritte staffel 1&2 nochmal angesehen. die serie ist absolut genial und mmn sogar besser als stranger things.

Joa beides gut. Was besser gefällt kommt dann halt auf den persönlichen Geschmack an. Will da aber die beiden Serien gar nicht miteinander vergleichen. Sind dann doch zu verschieden, aber beide genial.

Wobei mir dieses Desinteresse an dem Weltuntergang der aderen dann doch hin und wieder zu unrealistisch rüber kommt. Aber das tut dem Vergnügen diese Charaktere zu beobachten keinen Abbruch. Die Sprüche und der Humor tun ihr übriges. Einer meiner liebsten Serien auf Netflix.

2 „Gefällt mir“

ich finde die story bei umbrella academy einfach komplexer, überraschender, und interessanter. schauspierelische leistung, special effects etc schenken sich beide nichts :slight_smile:

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Das mit dem fliegenden Würfel versteh ich nicht. Wie kann man einen Würfel auf die Welt bringen. Was soll der genau darstellen? Gibts da ne Erklärung?