Was altuell auf Sozialen Medien rund um diese Serie passiert ist echt übel. Dabei geht es schon lange nicht mehr um die Qualität der Produktion an sich. Dazu kann man stehen wie man will. Finde sie selbst auch durchwachsen. Die Serie wird hier aber zum Spielball der aktuellen Diskussionen rund im Woke und Kulturkampf.
Heute habe ich in einem Fan-Forum einen, wie ich finde, sehr passenden Kommentar dazu gelsesen:
Reden wir Klartext über Star Trek: Starfleet Academy.
Was da gerade online abgeht, ist keine normale Fan-Diskussion. Es ist eher ein unfreiwilliger Persönlichkeitstest: Wer hat Star Trek verstanden – und wer hat jahrzehntelang nur Raumschiffe angeschaut?
Seit Jahren hört man dieselben Sätze:
„Star Trek steht für Offenheit.“
„Star Trek verbindet Menschen.“
„Star Trek zeigt eine bessere Zukunft.“
Und jetzt, wo eine Serie genau diese Idee weiterführt, kommt plötzlich das große Jammern:
„Zu woke.“
„Zu politisch.“
„Nicht mehr mein Star Trek.“
Nur kurz zur Einordnung:
Star Trek war nie unpolitisch. Nie.
Die Originalserie stellte eine internationale Crew auf die Brücke, während draußen noch ernsthaft darüber gestritten wurde, wer überhaupt gleichwertig ist.
TNG hat moralische Dilemmata verhandelt statt Actionfantasien.
DS9 hat Krieg, Religion und Machtpolitik seziert, lange bevor Streaming-Serien glaubten, sie hätten das erfunden.
Star Trek wollte nie bequem sein.
Star Trek wollte, dass man nachdenkt.
Und genau hier wird’s interessant.
Denn plötzlich ist Offenheit nur noch okay, solange sie abstrakt bleibt. Solange niemand real sichtbar wird. Solange sich nichts im eigenen Kopf verschiebt.
„Ich bin ja tolerant, aber …“
Ab da weiß man eigentlich schon, wohin die Reise geht.
Und dann kommt der Moment, der alles entlarvt:
Ein queerer Klingone.
Seit Jahrzehnten feiern Fans Klingonen, die aussehen wie eine Mischung aus Opernbühne, Metal-Festival und sehr spätem Nachtclub:
Lederrüstungen.
Wallende Haare.
Pathos bis zum Anschlag.
Männer, die sich gegenseitig Ehren schwören, dramatisch brüllen und emotionaler auftreten als jede Shakespeare-Truppe.
Alles kein Problem.
Das war cool. Das war Kultur. Das war Alien-Ästhetik.
Aber ein Klingone im Rock oder ein offen queerer Charakter — und plötzlich bricht Panik aus.
Dann geht es angeblich um „Canon“.
Um „Tradition“.
Um „das echte Star Trek“.
Nein. Geht es nicht.
Es geht darum, dass Diversität für manche nur funktioniert, solange sie unsichtbar bleibt.
Subtext war okay.
Andeutungen waren kunstvoll.
Aber sobald etwas klar benannt wird, wird aus dem offenen Fan plötzlich ein Gatekeeper.
Dabei ist die Sache ziemlich simpel:
Star Trek war nie eine Serie über Vergangenheit.
Es war immer eine Vision einer Zukunft, in der Identität kein Ausschlusskriterium mehr ist.
Eine Föderation, die mit hunderten Spezies verhandelt, künstliche Lebensformen als Personen anerkennt und ständig ihre eigenen moralischen Grenzen überprüft — soll ausgerechnet bei Geschlecht oder Sexualität haltmachen?
Das wäre nicht Tradition.
Das wäre Stillstand.
Star Trek hat sich nicht verraten.
Star Trek macht exakt das, was es seit 1966 tut:
Es erweitert den Kreis.
Es nimmt neue Menschen mit.
Es erzählt Zukunft statt Erinnerung.
Und vielleicht liegt genau darin das eigentliche Unbehagen.
Nicht weil Star Trek sich verändert hat.
Sondern weil manche merken, dass die Zukunft nie versprochen hat, so auszusehen wie ihre Vergangenheit.
Star Trek geht weiter.
Mit neuen Perspektiven.
Neuen Stimmen.
Neuen Figuren.
Und wenn ein Klingone im Rock mehr Aufregung verursacht als ein Bat’leth im Gesicht, dann liegt das Problem ziemlich sicher nicht bei der Serie.
Der Spiegel funktioniert einfach zu gut.