Harry Potter, Rick & Morty & Co ... Ja darf ich das überhaupt noch

Pfuh schwieriges Thema. Ich teile ebenso keinerlei rassistische oder diskriminierende Ansichten und habe einige Queer-Menschen und Menschen verschiedener Ethnizität in meinem näheren Umfeld, die ich alle liebe und/oder sehr schätze. Dennoch empfinde ich die derzeit herrschende „politically Über-correctness“ als extrem anstrengend und orte hier ebenso diskriminierende Tendenzen gegen alle, die anders denken bzw. hier mehr differenzieren als andere. Ein offener und konstruktiver Diskurs ist hier kaum noch möglich - was uns sicher nicht weiter bringen wird.

Was die Harry Potter Buch-Reihe betrifft, die ich aktuell gerade zum ersten Mal gelesen habe, konnte ich keine antisemitischen Tendenzen erkennen. Im Gegenteil. Die Thematik der Reinbluter vs. Muggelstämmiger oder die Diskriminierung anderer Zauberwesen wurde in den Büchern steht’s als verachtenswert dargestellt. Wie es bei der Umsetzung der Filme war und wie viel Einfluss Rowlings in mögliche antisemitische Darstellung gehabt hat, kann ich aufgrund meiner Unwissenheit in dem Bereich nicht objektiv beurteilen.

Die Aussagen von J. K. Rowlings oder jene anderer Kunsstschaffenden sind definitiv zu verurteilen, aber, sollen wir nun alle Werke dieser Leute verbrennen, deren Ansichten nicht mehr unserem Weltbild entsprechen? Können Werke von Kunstschaffenden nicht auch differenziert und losgelöst von der Person betrachtet werden?

Besonders problematisch sehe ich das Ganze, wenn es sich um Werke handelt, die von vielen Menschen gemeinsam verwirklicht wurden, wie es z. B. bei Filmen oder Videospielen der Fall ist. Und wo mit Sicherheit nicht alle so denken, wie einige ihrer bedauernswerten Kollegen.

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Also ich differenziere da schon sehr stark. Rowlings Ansichten sind ziemlich dämlich, aber in ihrem Werk ist davon nichts zu sehen. Zumal ich aber bei ihr auch glaube, dass da viel Angst mitgeschwungen hat, also bei ihren ersten Aussagen und sie sich dann immer weiter radikalisiert hat und nun eigentlich so nicht mehr tragbar sind. Kenn aus dem Studium selbst einer TERF, mit der ich mich eigentlich recht gut verstehe, aber wenn dann mal das Thema Transgender auf den Tisch kommt, dann wirds recht schnell sehr anstrengend, hat aber ihrer Aussage nach selbst Gewalt durch Männer erfahren und argumentiert recht ähnlich wie Rowling. Da kann man dann auch nicht rational vordringen, dass spielt sich auf einer stark emotionalisierten Ebene ab.

In der Wizarding World spüre ich aber davon nichts. Eher sogar im Gegenteil, weil Voldemort und Grindelwald doch Musterbeispiele für Intoleranz sind und das Thema „Herkunft“, „Lebensweise“ immer auf eine sehr tolerante Art gelöst wird. Hermine ist da ja ein Glanzbeispiel, weil sie als Schlammblut die Beste der Schule ist und auch für die Rechte von Hilflosen kämpft. In den Tierwesen Filmen kommt dann auch noch das Thema Verführung der Massen auf und wenn man auf Queenie/Jacob schaut, dann auch das Liebe universell ist.

Bei den Kobolden ist das wieder was anderes, wobei ich da nicht so sicher bin, wieviel davon bewusst ist. Das Aussehen ist unstreitig problematisch und im deutschsprachigen Raum würden die Kobolde auch anders aussehen, im englischsprachigen Bereich ist da einfach nicht die Sensibilität vorhanden, daher mal Benefit of the Doubt.

Daher werde ich auch Hogwarts Legacy spielen und freu mich ehrlich gesagt schon sehr drauf.

Roiland oder bei uns ja ganz aktuell Teichtmeister sind da zwei andere Typen, da sie eine Straftat begangen haben, die wohl auch zu einer Verurteilung führen werden. Die finde ich schon deutlich problematischer.

Kranker Humor hin oder her (ich weiß, dass viele den Babysketch nicht lustig fanden, aber das war halt eine Anspielung auf Dexter, überspitzt hoch 200), tatsächliche Anwendung von Gewalt oder Ausnutzen von Missbrauchssituationen geht halt gar nicht. Es sind halt schlussendlich immer Machtsituationen, die ausgenutzt werden, wurscht ob Roiland, Teichtmeister oder auch Weinstein. Das ist traurig.

Aber das macht R&M nicht schlechter, die Toten von Salzburg nicht besser und Pulp Fiction oder Jackie Brown werde ich weiterhin konsumieren. Das kann ich dann schon ausblenden, wichtiger wäre mir, anstatt zu sagen, dass konsumiere ich nicht mehr, weil dann kriegt der Verantwortliche kein Geld mehr, dass man Systeme baut, die so ein ausnutzen auf ein Minimum reduzieren. Da mag ich ein Träumer sein und das werde ich nicht mehr erleben, aber Gewalt die von Männern ausgeübt werden, ist ein immanentes Problem und das darf nicht sein.

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Ich würde jetzt gern die feindlichen (!) Aussagen von JKR lesen, ich kann die nur nicht finden. Zur Vorsicht bei Hormonbehandlungen mahnen und keine Penisse in Frauenräumen haben wollen kann ich nicht als Feindlichkeit erkennen. Ich teile die Meinung des zweiten Teils des Satzes nicht! Zwar verstehe ich schon das es Frauen gibt die da Ängste haben und deshalb qualifiziere ich das nicht als Hass aber teilen tute ich die eben nicht, gut als Mann ist da leicht stinken.
Seit ich politisch denke, habe ich mir immer das aufbrechen der Geschlechterrollen gewünscht, ich hab auch eine Zeitlang (sehr jung war ich da) nicht verstanden warum es Männer- und Frauensport gibt und hatte gehofft und geglaubt jeder Unterschied ist anerzogen und künstlich. Jetzt bin ich erfahrener und stelle fest das „Kibbutz Paradoxon“ ist real, es gibt biologisch determinierte Unterschiede, Skifahrerinnen sind durchschnittlich leichter als Skifahrer, daher werden letztere immer schneller den Berg hinunter kommen können. Was aber bitte wiederum nicht heißt das nicht alle, alle Möglichkeiten haben sollen, auch jene die sich nicht in dem binären System wiederfinden oder sich sicher sind ein anders Geschlecht zu haben als ihre Biologie vermuten lässt. Ich habe im familiären Umfeld eine Person die sich als „Queer“ bezeichnet und auch als Femboy und das ist auch seine Sicht der Dinge, es ist also schon etwas komplexer als konservativ vs progressiv.

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Differenzieren ist hier das Stichwort.

Das Thema ist ja nicht neu und man kann es noch viel extremer spinnen:

Verwende ich eine medizinische Erkenntnis, die durch brutale Versuche an Menschen gewonnen wurde und rette so das Leben eines Patienten?

Wurde auch schon in div. Serien (unter anderem Star Trek) mehrfach behandelt - und irgendwie kommt man meiner Meinung nach immer auf den selben Schluss: eine generelle Aussage wird man nicht treffen können, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es wird auch immer von Fall zu Fall anders zu bewerten sein.

Jemanden aber den Vorwurf zu machen, sie an einem Spiel oder einem Buch zu erfreuen, wo von jenen Punkten die dem Macher anzukreiden sind nichts zu finden ist, ist in meinen Augen nicht richtig. Das driftet dann in überbordenden Moralismus aus der zu nichts führt.

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die erste dreiviertel Stunde wird das recht schön aufgeschlüsselt. Rowling ist da mittlerweile recht tief im Rabbit Hole.

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Mal abgesehen von der Thematik sehe ich es befremdlich, dass im fall von rick and Morty ein Prozess stattfindet, der Herr aber “noch” nicht schuldig gesprochen wurde.

Halten wir uns johnny depp in Erinnerung.

Heutzutage wird jemand angeschuldigt, in den Medien durch den dreck gezogen, und bevor man sichs versieht ist das leben der person zerstört, obwohl sie vl unschuldig ist. Man sieh ja hier schon wie Leute urteilen, ohne urteil.

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Vielleicht ist er in dem Fall nicht schuldig, aber ein Unschuldslamm scheint er nicht zu sein.



Zum Thema habe ich eine klare Meinung:
Man muss die problematischen Dinge ansprechen. Man muss darüber berichten und diskutieren.
Man darf zum boykott aufrufen.

Man sollte aber niemanden für seinen Kauf verurteilen, wenn das „Produkt“ keine der problematischen Dinge „transportiert“.

Jeder Mensch der ein Buch von Dr. Bhakdi kauft, halte ich für einen Spinner oder jemanden der auf die Lügen hereingefallen ist.
Wenn jemand ein Harry Potter Buch kauft, denke ich mir nichts dabei.

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Trotz meiner Jochen Antipathie, positiv überrascht.

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Danke.

Pfffu, da habe ich aber nochmals Glück gehabt….

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Ich finde es verwunderlich finde, wie diese Kobolde objektiv für Darstellungen von Juden gehalten werden; das finde ich tendenziell ungewollt selbst antisemitisch, weil Juden i.d.R. nun einmal nicht so aussehen, i.d.R. keine Banker sind und i.d.R. nicht gierig sind. Der Film ist von 2001 und es gab damals auch keine Diskussion darüber. Obwohl es ein internationaler Blockbuster war.

So wie ich das Ganze mitbekommen habe, stammt der Vorwurf von Jon Stewart (ehemaliger Late Night Host aus New York und btw selber Jude) aus einer Podcastrunde. Daraufhin gab es ein mediales Beben und dann hat sich Stewart klar davon distanziert Rowling oder ihren Filmen Antisemitismus zu unterstellen und das auch gut begründet.

Von offenen Antisemitismus zu reden ist einfach Quatsch. Natürlich kann unbeabsichtigt eine antisemitische Bildsprache verwendet worden sein, weil Antisemitismus nunmal für Jahrhunderte Teil der europäischen Geschichte war, was sich auch in der Kultur widerspiegelt.

Frau Rowling solidarisiert sich klar mit der Ukraine, hat die Corona-Maßnahmen nicht kritisiert, lobt die mutigen Frauen im Iran und war immer gegen den Brexit. Sie wird für mich zu leichtfertig in die rechtsextreme Ecke gestellt.

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Für alle die gut genug Englisch lesen können, gibts hier ne ganz gute Zusammenfassung zu der Sache um J.K.Rowling:

Meine Meinung dazu habe ich hier schon mal kundgetan:

Man kann sich auch wunderbar für Frauen einsetzen, ohne dabei auf andere marginalisierte Gruppen hinzuhauen. Ich bin kein Fan von der Person J.K.Rowling.
Aber ich finde, dass im Harry Potter Universum die guten Werte stark überwiegen. Da gehts drum, dass Sklaverei, Folter und Rassismus zu verurteilen sind, Dumbledore ist homosexuell, es kamen schon damals nicht nur weiße Personen in den Büchern vor (auch wenns die Hauptcharaktere alles sind), in den Fantastic Beasts Filmen wird ein total empathischer Mann als Held präsentiert, etc.
Also erfreu ich mich weiterhin an den Werken, wenn ich Lust drauf hab.
Die gewalttätigen Schauspieler in den Filmen machen mir da mehr zu schaffen. Die will ich dann einfach nicht mehr sehen. Weil es ist eine Sache, seine Meinung kund zu tun (niemand muss Rowling zuhören, lesen, kaufen), aber noch mal eine andere, jemandem gezielt Schaden zuzufügen.

Ich lese übrigens grad den 2. James Bond Roman. Ist echt schlimm, weil dort das N-Wort sooo oft vorkommt, und auch viele andere rassisstische und sexistische Passagen vorkommen, aber auch gegen Alte und diverse Nationalitäten gewettert wird. Also eigentlich alles, was James Bond selbst nicht verkörpert, ist quasi schlecht. Ich lese es trotzdem weiter, weil ich weiß, dass es auch der Zeit geschuldet ist, in der dieser Roman entstanden ist. Warum es in der deutschen Übersetzung nicht zumindest teilweise auf „Schwarze“ umgeändert wurde, kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Ich hab aber letztes Jahr auch einen Roman von Sergei Lukjanenko gelesen und danach rausgefunden, dass der den russischen Angriffskrieg voll unterstützt. Normalerweise teil ich meine Leseeindrücke auch auf Social Media. Hab dann für mich beschlossen, dass ich den nicht mehr lesen will, und ihm auf Social Media keine Präsenz geben will, also das Buch einfach in meinem online Bücherregal weggelassen. Immerhin war das Buch second hand, also hat ihm der Kauf nix mehr gebracht.

Wie viele hier schon gesagt haben, muss man das für sich individuell entscheiden, wo man Grenzen zieht, womit man sich noch wohl fühlt und womit nicht.
Wer welche Werke von wem konsumiert, ist mir egal, solange der Inhalt oder die Produzierenden nicht eindeutig einer Richtung zuzuordnen sind, die ganz gegen meine Werte spricht, und die konsumierende Person sich dessen auch bewusst ist und das abfeiert.

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Bezogen auf die ganz ausgezeichnete Neos Folge, in der das Thema ganz gut besprochen wurde:

Ja JKR hat sich auf einen Twitter Krieg eingelassen und wie bei jedem Krieg gibt es auch hier keine Gewinner. Was ich meine ist das sich da beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckern.
Man ist nicht automatisch ein Hasser von Trans Menschen wenn man Gesetzesänderungen wie Self-ID kritisch hinterfragt. Es gibt reale Stolpersteine über die man reden muss, dass es auf Twitter und Co. schnell unschön wird und sich alle(!) radikalisieren die da hängenbleiben ist nicht gut und definitiv die negativste Seite von Social Media.

Und nach vielen Aktivist:innen auf Twitter gehen ja schon viele Dinge nicht die in diesem Artikel stehen, z.B. „zur Frau wurde“ es heißt ja das sie das schon immer war. Außerdem wird der „Dead Name“ ausgeschrieben. Alles ganz schlimme Hassverbrechen wenn man nach Twitter Aktivist:innen geht.
Auf den Artikel bezogen sage ich, solange sie einen Penis hat, hat sie nichts in einem Frauengefängnis zu suchen aber natürlich muss auch sie besonders geschützt werden, Menschrechte gelten für alle immer, auch wenn es manchmal hart ist aber es ist besser so.

Wegen den Beiden Rick and Morty Typen also ja der Sketch des einen läßt jeden Geschmack vermissen und „krank“ ist eine passende Bezeichnung aber, ja aber ich finde nicht das dies ein Kündigungsgrund ist. Mein Humor hat sich auch verändert ich schaue Rick and Morty z.B. gar nicht, mir ist das schon zu anstrengend, tief und graußlich.
Eine Anklage wegen häusliche Gewalt hingegen ist natürlich ein guter Grund sofort zu handeln (ich schau dich an Burgtheater) und der Verdacht müsste in der Verhandlung schon sehr klar ausgeräumt werden um die Person wieder zu rehabilitieren. Aus dem luftleeren Raum kommen solche Anschuldigungen ja nicht.

Was hat den Bill Murray gemacht?

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auch so ein fall:

was ich von pink floyd kenne, hab noch immer nicht den gesamten katalog durchgehört, mag ich, aber seine person wird ein ums andere mal zwider.

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Spannend auch dass einige aus dem Lager „Harry Potter Game boykottieren“ sich dann aber doch auf das neue Game der Moon Studios freuen.

Messen mit zweierlei Maß?

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Oder fehlender Info.

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Naja der entsprechende Thread beschäfftigt sich ja genau damit (Moon Studios).

Mir persönlich ist das egal - mir is es nur aufgefallen und da musste ich ehrlich lachen. Aber zeigt gut wie unsere Gesellschaft tickt. Fingerpointing bei Dingen die einem nicht passen, aber dort man dafür ist oder sich freut, da ist alles ok und supersauber.

Achso, ich dachte du meinst das Allgemein und nicht auf unser Forum bezogen. :sweat_smile:

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Sind aber doch auch zwei unterschiedliche Fälle, oder?
Bei Harry Potter sind es Rowlings transfeindliche Tweets und Leavitts frauenfeindliche und auch sonst äußerst bedenkliche Videos. Alles online mit der Öffentlichkeit geteilt, auch nach Hinweisen auf das Fehlveralten wiederholt und somit für alle nachvollziehbar.
Bei den Moonstudios ist nicht alles der internen Ausschreitungen veröffentlicht worden, soweit ich das mitbekommen habe. Also hat man vielleicht nicht alle Infos, um sich eine Meinung zu bilden. Und wir wissen auch noch nicht, ob und wie das Studio aus den Fehlern gerlent hat, und ob sich was verändert hat. Oder hab ich was verpasst? Kann durchaus sein …

meinst nicht, wir sollten das den personen ewig vor den kopf halten?