Demoszene wird in Deutschland als immaterielles Kulturerbe anerkannt

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Seit Freitag, dem 19. März 2021, ist die Demoszene in das UNESCO Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen. Neben Finnland ist Deutschland erst der zweite Staat, der die Demoszene als Kulturerbe anerkennt.

Die Demoszene setzt sich als technisch-kreative Kulturgemeinschaft seit Dekaden über jedwede Grenzen hinweg und versteht sich im besten Sinne als transnational. Gerade in der Pandemie ist es der richtige Zeitpunkt, digitale Kultur ernst zu nehmen, mit all seinen Chancen, der vielfältigen Geschichte und auch den Herausforderungen, denen wir in der digitalen Kultur begegnen im Hinblick darauf, was es noch weiterzuentwickeln gilt in Communities!”, so Tobias Kopka vom Kölner Antragsteller Digitale Kultur e.V., verantwortlich für den Antrag in Deutschland. Mit der Anerkennung als Kulturerbe erhofft man sich auch einen größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen, um sowohl Nachwuchs zur Szene zu bringen als auch auf wissenschaftliche Abhandlungen oder Bücher, die dieses Phänomen behandeln.

Angefangen hatte die Demoszene ursprünglich in den 1980ern Jahren als Cracker von Originalsoftware. Vor dem eigentlichen Spiel wurde mit nur wenigen Kilobytes an Daten recht aufwendige Vorspänne programmiert, meist in Form von musikalisch unterlegten Animationen, in denen sich die Cracker Gruppen mit Pseudonymen selbst vorstellten. Es gab einen regelrechten Wettkampf, wer als erstes den nächsten Kopierschutz knacken konnte und sich so wieder auf den Disketten mit einer neuen Demo verewigen konnten.

Mit der Zeit wurde daraus eine eigene Disziplin, in dem es darum ging, unter verschiedensten Voraussetzungen die besten Kunstwerke zu erstellen. So werden zum Beispiel in nur vier Kilobyte Großen Dateien minutenlange Demos entwickelt, für nie möglich gehaltene Grafikanimationen aus Rechnern herausgeholt oder es werden Grafik-Demos auf Geräten programmiert, die eigentlich gar keine Grafikfähigkeiten besitzen.

Einer der besten Demos 2020

Einer der ersten offiziellen Demos wurde 1984 einem kleinen ausgewählten Publikum gezeigt. Auf der Januar CES in Las Vegas wurde auf dem Amiga Stand ein rot weißer Ball gezeigt der physikalisch korrekt auf dem Bildschirm hin und hergesprungen ist, heute als Boing – Amiga Demo bekannt. Für damalige Verhältnisse etwas nie Dagewesenes, da es keine CPU-Leistung benötigte. Programmiert innerhalb von ein paar Stunden, mitten in der Nacht von Dale Luck und RJ Mical direkt auf dem Messegelände.

Die nächste Demoparty Revision 2021 findet am Osterwochenende online „auf einem Sofa in deiner Nähe“ statt. Wer bis dahin nicht warten möchte, kann auf der Webseite pouet.net oder demozoo.org fündig werden. Mit „Demoscene The Amiga Years 1984 – 1993“ ist vor kurzem bei Editions 64K erst ein englisches Buch über die Anfänge der Amiga-Demoszene erschienen.

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wird Zeit das dies auch in Österreich geschieht.

Hologon von The Electronic Knights ist eine unglaubliche Demo für den Amiga 500.
Schaut sieh Euch mal an:

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