Release-Philosophie: Ganze Staffel vs. Einzelfolgen

#1

Ich möchte hier ein Thema aus dem letzten GameMinds von Michi und Alex aufnehmen:

Die Veröffentlichung von Staffeln als Gesamtpaket oder zeitlich gestreckt mit einer Folge pro Woche - was ist euch lieber?

In Zeiten von Netflix und Co. sind wir es ja schon regelrecht gewohnt unsere Lieblingsserien an einem Stück Binge-Watchen zu können. Doch gerade Serien wie Star Trek (und jetzt auch wieder Game of Thrones) brachten mir die bereits verloren geglaubte Magie von Serien zurück - und das lag nicht zuletzt an deren wöchentlichem Veröffentlichungsintervall.

Was meine ich damit: Wird eine Staffel in einem Ruck veröffentlicht, so wirkt sie wie ein gestreckter Film. Cliffhanger zum Beispiel funktionieren, wenn dann nur ganz am Ende einer Staffel, jedoch nicht mehr als Spannungselement zwischen den einzelnen Folgen. Ein großes Stück Identifikation mit der Serie geht so verloren.
Zusätzlich wirken Serien im Binge-Watch-Modus eher wie Junk-Food, als wie ein ausgewachsenes Festmahl mit gutem Wein. Man würgt es schnell runter und wendet sich dann schon dem nächsten Happen zu.
Der Austausch, sei es in Foren, auf sozialen Plattformen oder im Freundeskreis, findet vergleichsweise eingeschränkt statt. Es gibt zwischen den einzelnen Folgen kein Rätseln über das, was da noch kommen mag, keine Analyse der handelnden Figuren und auch Fan-Thorien finden in nur sehr eingeschränkten Rahmen statt.
Serien wie Lost hätten nie so eine Wirkung gehabt, wäre die ganze Staffel auf einmal veröffentlicht worden. Erst des Gemeinschaftsgefühl der sich austauschenden Fans machte sie zu etwas wirklich Speziellem und hob sie deutlich von der Konkurrenz ab.

Natürlich funktioniert die gestreckte Veröffentlichung nur bei neuen Serien/Staffeln. Sollten alte Produkte wiederveröffentlicht werden, bin ich hingegen stark dafür diese auf einen Rutsch zugänglich zu machen. Doch das geschieht meines Wissen (TV-Sender einmal ausgenommen) ja sowieso ausnahmslos so.

Jetzt seid ihr dan - wie ist eure Meinung zu dem Thema?

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#2

Lost war eine andere Zeit das kann man mit heute nicht mehr vergleichen finde ich.

Heute bin ich klar für die ganze Staffel, ich mache es auch extra so das ich bevor ich mir einzeln Folgen ansehe ich lieber warte bis die komplette Staffel draußen ist.

Es stimmt schon man kann leider dann nicht mehr mit anderen mitreden und diskutieren, is nur die Frage ob man das überhaupt noch will zu jeder Folge was schreiben auch hier haben sich halt die Zeiten geändert.

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#3

Ich bin überhaupt kein Fan vom bingen. In der Regel sehe ich Serien in der Form, dass ich mir pro Tag eine Folge ansehe. Das finde ich deutlich besser, als drei oder vier Stunden am Stück irgendwo zu sitzen und sich Folge für Folge anzusehen. Manchmal muss ich ja auch Momente verarbeiten und da will ich nicht gleich ins nächste Kapitel vorstoßen.

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#4

Sehr schönes Thema!

Ich hab beides gerne. Kommt aber ganz auf die Serie an. Eine neue Serie, wo jede Woche eine Folge erscheint finde ich aber am spannendsten auch wenn es “old school” ist.
Aber dieses warten auf die neue Folge, die Vorfreude, das diskutieren über das Gesehene und der gemeinsame Austausch (hier im Forum) darüber sind für mich auch Teil der Sache.

Aktuell bei GoT: ich finde es perfekt das hier nur jede Woche eine Folge erscheint. Das ist für mich jede Woche ein kleines Event. Treffen mit den besten Freund und gemeinsam die Folge genießen und dann drüber reden. Solch ein Erlebnis bietet das Bingen für mich überhaupt nicht.
“Bingen” mach ich nämlich großteils alleine (meist 2-3 Folgen, mehr geht kaum) und zwar dann wenn ich Zeit und Lust dazu habe so wie eben Fast Food essen.

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#5

es gibt Serien die zu aufwühlend sind, oder zu sehr zum Nachdenken anregen, um sie in einem Haps zu verschlingen.
GoT mag so sein, aber ich denke da eher an Black Mirror. Es wäre schade hier einfach weiter zu machen, speziell weil man keinen direkten Anreiz durch „Cliffhanger“ etc. hat.

Generell aber bitte die ganze Serie direkt verfügbar, die Willensstärke auszuschalten und mir das Erlebnis, für wann ich will, einzuteilen habe ich …(mittlerweile * räusper *, beim Lost „bingen“ damals hab ich ein paarmal die Sonne aufgehen sehen :sweat_smile:)

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#6

Bin da mittlerweile auch bei @Vino . Gerade GOT / Star Trek Discovery zeigen mir, dass die Vorfreude und eben der Austausch darüber einen ganz anderen Wert haben. Man verwendet viel mehr Zeit mit dem Austausch in Foren/Freunden über einzelne Folgen, spekuliert und teilt eine Gemeinsamkeit.

Bei Komplettstaffeln (z.b. Sabrina) geht halt das komplett unter. Siehe auch im Forum - ich habe die ganze Staffel gesehen und mit 6,5 von 10 bewertet. Sense…

Gerade bei wöchentlichen Releases achtet man dann evtl. auch mehr auf Details oder andere weisen einen darauf hin und man hat diesen “ajo - genau!” Effekt. Das geht bei Komplettstaffeln gar nicht.

Generell finde ich es sowieso gerade viel zu viel Angebot. Es wirklich Masse und ich hätte keinen Plan, was ich anschauen kann bzw. fehlt mir fallweise bei Komplettstaffeln dann einfach die “Lust am Ganzen”.

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#7

Ich würde meinem Hintern bingewatching niemals antun.
Ist, als würde man 1 Kilo Käsleberkäs essen, danach ist einem schlecht.

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#8

Ein Krux unserer Zeit “zu viel von allem” (zumindest je nach Kontinent und sozialem Status). Dafür zu wenig Zeit (auch hier nach Kontinent und sozialem Status). Doch irgendwie auch traurig…

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#9

Wie wahr, zB bei den Musketieren der BBC “strecke” ich es praktisch, weil es nur 3 Staffeln gibt und ich durch “langsameres” Schauen einfach für mich mehr davon habe.
Ist auch der hiniche Schwachsinn bei Konzerten, dass plötzlich alle sofort Karten haben müssen und in 24 h alles weg ist, aber passt zu dieser lächerlichen Hektomatikzeit.

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