Mastodon & Fediverse - Die dezentrale Social Media Zukunft?

Spätestens seit Elon Musk im Frühling 2022 angekündigt hat, Twitter zu kaufen, weil er dort die Meinungsfreiheit massiv gefährdet sah, bekamen Alternativen zum Blauen-Vogel-Dienst mehr und mehr Aufmerksamkeit. Das war auch ungefähr die Zeit, wo ich zum ersten mal von „Mastodon“ hörte, aber mich dann noch nicht näher damit beschäftige. Angeblich wars „sehr kompliziert“ und die Accountnamen (aka Handles) enthalten zwei „@“, was ja anscheinend völlig inakzeptabel ist.

Nachdem man es fast schon vergessen, bzw nicht mehr daran geglaubt hatte, übernahm Elon Musk dann Ende Oktober 2022 Twitter tatsächlich und begann sofort mit Umstrukturierungen. So feuerte er die Chefetage und die Hälfte der Belegschaft, kündigte so gut wie alle Auftragsarbeiter und stiftete sofort Chaos mit spontanen, unüberlegten Maßnahmen, wie dem Verifizierungs-Batch, das man um 8,- Dollar kaufen konnte etc etc. Aber darum solls in diesem Thread gar nicht weiter gehen.

Da ich (inzwischen) kein großer Fan von Elon Musk (mehr) bin, und die Maßnahmen überaus bedenklich finde, war für mich nun die Zeit gekommen, mich mit Mastodon zu beschäftigen.

Ich habe im „Internetriesen: Facebook, Google & Co“ Topic schon sehr viel dazu berichtet, weshalb es Zeit wurde, „Mastodon“ und dem dahinterliegenden „Fediverse“ ein eigenes Topic zu widmen. Einige der Beiträge werden/wurden hier hin verschoben, den ersten Beiträgen hier könnte also der rote Faden fehlen - nur falls ihr euch wundert :wink:

Hier ist auf jeden Fall mein Mastodon Account, ich habe den deutschen Server „Metalhead.club“ gewählt, mit dem ich bisher sehr zufrieden bin:

Und auch Das Medienformat ist bereits auf Mastodon zu finden:

Meine erste Berührung mit Mastodon gibts übrigens hier in diesem Video zu sehen:

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hier mal ein kleines zwischenfazit nach einer Woche Mastodon:

  • Auch wenn es am ersten Blick aussieht, wie ein altes Twitter, ist die Dynamik dort doch eine ganz andere. Alles fühlt sich netter und gemeinschaftlicher an.
  • Die Serverwahl beim Anmelden ist gar nicht so unwichtig, weil jeder Server ein Thema hat, und man da von Anfang an schon interessante Themen mitkriegt
  • Was mich zu den Zeitleisten bringt: Es gibt den eigenen Feed (jeder dem man folgt), die lokale zeitleiste (alles, was am eigenen server passiert) und föderiert (eigener server und server, die mit dem eigenen server interagieren). Man hat also von Minute 1 weg schon viel interessantes zum mitlesen, und muss sich nicht erst wie auf twitter mühsam Accounts zusammensuchen, bis der Feed endlich mal interessant wird.
  • Die Leute auf Mastodon sind extrem hilfsbereit, es ist ein extremer kontrast zu twitter. Twitter war für mich immer vom Einzelkampf geprägt, aber Mastodon fühlt sich wirklich nach Community an.
  • Es gibt auch Schattenseiten des unabhängigen Instanzen-Prinzips: Mein Server war am Wochenende extrem langsam, weil die Konfiguration dem Ansturm der neuen User nicht gewachsen war. Der Admin meines Servers musste dann an ein paar Schrauben drehen, dann gings wieder einwandfrei.
  • Der Community auf Mastodon ist es sehr wichtig, eine gute Stimmung zu bewahren. Grenzwertige Themen (Krieg, Missbrauch, Elon Musk :smiley: ) sollte man am besten mit einem „Content warning“ oder „NSFW“ Tag versehen, damit interessierte User aktiv draufklicken, um den content zu sehen (ähnlich wie der spoiler tag hier im forum)
  • Wenn man mit dem eigenen server nicht zufrieden ist, kann man jederzeit auf andere Server wechseln. Man nimmt alle Follower und Gefollowten mit, die alten Beiträge bleiben aber am alten Server.

Kurz: Ich bin ohne Erwartung auf Mastodon gegangen und hab eine billige Twitter-Alternative erwartet, bin aber von einer komplett neuen Community-Erfahrung überrascht worden. Großartig!

PS: Von der Reichweite her ist Mastodon natürlich weit entfernt von Twitter, aber es geht nach jahrelangem Stillstand jetzt rasant bergauf!
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Das muss sich natürlich erst zeigen, aber durch das Instanzen aka Serverprinzip glaube ich, dass das was werden kann. Beispiel: Es wird sehr wahrscheinlich auch ultra-rechte Mastodon Server geben, ABER es steht jedem Serverbetreiber frei, andere Server einzuschränken und sogar zu blockieren. Es wird also warscheinlich so werden, dass die Nazi-Server nur untereinander kommunizieren können, weil sie von allen anderen geblockt werden. Etwas, das so auf Twitter einfach nicht möglich ist.

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Das ist übrigens der Server, für den ich mich entschieden habe und sehr glücklich damit bin. Tolle Community und ein sehr umgänglicher Admin :slight_smile:
Da sieht man auch gleich die ganzen blockierten Server, da wird einen als Admin eher nicht langweilig :grimacing:

Guter Futurezone.at Artikel über das Rüsseltier:

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Ist immer noch schade das App.Net damals gescheitert ist.
Der Ansatz war ziemlich gut und es gab damals sogar viele der Twitter Clients wie Tweetbot für das Netz. Der Ansatz die Api überall für eigene Projekte einbinden zu können, war großartig (und das hatte ja früher auch Twitter, wie wir es auch bei myconsol genutzt haben) App.Net ging aber noch viel weiter auf der Ebene.

Das Ding war halt von Anfang an im Großen und Ganzen Kostenpflichtig und die Betreiber nicht das Durchhaltevermögen.

Es wird sich wie bei WhatsApp verhalten, der Bärenanteil wird bleiben, ein kleiner Bruchteil wird vielleicht wechseln und ein Bruchteil von dem Bruchteil wird bei Mastodon bleiben.

Abwarten.
Für Twitter könnte das nicht ganz so glimpflich ausgehen, weil die viel mehr von Werbekunden abhängig sind.

Ja das stimmt. Aber Mastodon wird sicherlich nicht die Alternative werden, das glaub ich einfach nicht.

Böhmi ist sehr überzeugt von Mastodon bzw Fediverse. Das ist gut so, es braucht reichweitenstarke Zugpferde, um Leute hinzukriegen und dort zu behalten :+1:

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Ohne große US Unterstützung (wonach es aktuell leider nicht aussieht) wird das aber wohl trotzdem schwierig. Vor allem der doch etwas seltsame anmeldeprozess ist für die 08/15 User halt doch auch Abschreckend.

Aber mit dem Zuschuss an Leuten könnte es da ja hoffentlich Besserung geben.

Die Twitter Zentrale dürfte aktuell wohl so aussehen:

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Das gute ist: Mastodon braucht keine große Unterstützung, um zu existieren. Solange die einzelnen Server sich finanzieren (was meistens durch User Spenden bereits nach wenigen Tagen jedes Monat der Fall ist), wird das Netzwerk laufen. Halt mal kleiner, mal größer. Selbst wenn Eugen, der „Erfinder“ und Schefentwickler, aufhören würde, kann auf Grund von Open Source jemand anders weitermachen.

Meinst du mit dem „seltsamen Anmeldeprozess“, dass man sich auf einem x-beliebigen Server anmelden kann, und es keine zentrale Anmeldung gibt? Sorry, das einzige was daran „schwierig“, „umständlich“ oder „seltsam“ ist, ist, dass man (noch) nicht dran gewöhnt ist.

Wieso schaffen es Leute seit 40 Jahren, sich einen Emailprovider zu suchen? Es ist völlig wurscht, welchen Provider man hat, Emails können alle an alle senden und empfangen.

Mastodon Anmeldung:

  1. Server aussuchen
  2. Dort ganz normal wie bei jedem Service einen User registrieren („@humaldo@metalhead.club“ in meinem Fall)
  3. Andere User hinzufügen via Suchfeld, Interaktion oder Vorschlägen
  4. Mit allen Usern von allen Servern interagieren

Was ist daran so schwierig?

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Ihr widersprecht euch eigentlich gar nicht :slight_smile:

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Mein Fehler, ich hab in in die Sache mit der US Unterstützung irgendwie „…wird es schwierig, zu überleben“ reininterpretiert :see_no_evil:

Eh, aber wie eh selber gemerkt hast, mir gings weniger ums Existieren, sondern eher ob das Netzwerk so relevant werden kann wenn nicht zB alle großen Tech Firmen auch dort Accounts/Server haben oder eben mehr Stars die dort posten.

@Schwierigkeit: mir ist klar das die Anmeldung weder für dich, noch für andere im Forum zu schwierig wäre. Aber wir sind auch eine ganz andere Zielgruppe und sind von manchen Games schon schlimmeres gewöhnt. ^^
Aber du glaubst nicht wieviele schon Probleme beim E-Mail einrichten und einstellen haben. Da ist sowas einfach eine Hürde. Mehr hab ich damit nicht gemeint. :slight_smile:

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Sehe ich auch so aber mit dem Schwung der jetzt da ist, vielleicht gibts bald ambitionierte Apps die da einiges vereinfachen. Aber die Leute die kein mail einrichten können, waren doch auch nur selten auf Twitter :slight_smile:

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du es gab auch eine zeit vor twitter und co - auch da konnten die behörden bereits mit den menschen kommunizieren. warum sollte das heute nicht mehr gehen?

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Ja, ich trau mich zu behaupten, wers auf Twitter geschafft und Twitter verstanden hat, der wird auch mit Mastodon sehr schnell zurechtkommen. Dass plötzlich die Zuckberberger auf Mastodon wollen halte ich eh für sehr unwahrscheinlich :sweat_smile:

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Aaron Greenberg von Xbox Marketing testet nun auch mal Mastadon.

https://twitter.com/aarongreenberg/status/1591502113842302978?s=61&t=Ri3Igh_3eZsNKZogmknmpA

Und hier meine aktuellen Gedanken auch ganz klassisch in Blog-Form :slight_smile: