Femizide und Gewalt gegen Frauen in Österreich

Ich glaube kaum, dass Frauen wie Männer jedem erzählen, dass sie schon einmal Gewalt, in welcher Form auch immer, erfahren haben.

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Ok, Jungs.

Ich möchte als letztes Posting zu diesem Thema die Realität sagen. (INFO: Ich arbeite seit 26 Jahren im sozialen Bereich, größtenteils mit der „Unterschicht“. Meine Frau seit 10 Jahren Jugendamt.)

  1. Gewalt teilt sich 70:30 auf. Ja, auch viele Männer werden Opfer, hört man halt ned in den Medien. Außerdem genieren sich diese Männer Anzeige zu erstatten.
  2. Beziehung als Besitz. Kommt leider nur bestimmten kulturellen Kreisen vor. (NEIN, ich bin kein Nazi! Danke)
  3. Frauen, deren Männer von der Polizei von zu Hause weggewiesen worden sind, holen ihre Männer am nächsten Tag zurück weil " ich liebe ihn ja so sehr" Diese Paare haben oft eine echt krankhafte Symbiose, die man ned so leicht auflösen kann.
  4. SEHR oft spielen Drogen ein Rolle.
  5. Der Cobra Beamte ist leider der klassische Einzelfall.

@Herzi Trau keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast! :wink:

Mein „geilster“ Fall: eine Mutter die in den USA Drillsergeant war, hat ihren Mann und Sohn durch die Wohnung geschleudert!!

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Zählst du als Gewalt hier physische und psychische zusammen?
Wie sieht es mit der Mordrate aus?

Also gerade in der Generation meiner Mutter höre ich noch genug „Sie muss noch ihren Mann fragen, ob sie vorbei kommen darf bzw. ob er sie her bringt.“.
Die wörtliche Ausprägung „Sie ist mein Besitz“ mag in anderen Kulturkreisen stärker sein, aber von „nur“ kann man nicht sprechen. Gibt genug Österreicher auch, die Besitzergreifend sind. Die Femizide beweisen es ja.

Eins der komplexen Probleme und sicher auch das Deprimierenste wenn man helfen möchte.
Ist die betroffene Frau per se so (Depression, Drogen, Trauma, etc.) oder hat der Mann sie dahingehend schon lange manipuliert? Und warum wird der Mann gewaltätig? Trauma, Depression, Arschloch, böser Mensch?

Wo nicht, wenn Alkohol auch zu den Drogen zählen.

Hört man bei der FPÖ auch zu oft.

Totschlagargument schlechthin. :wink:

Ich bin mir sicher durch deinen Beruf hast du viele Einblicke die wir nicht haben. Aber ich kann dir mit zu 100% Garantie sagen, dass du damit trotzdem nicht ganz Österreich beurteilen kannst.

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Die Kriminalstatistik der Polizei meint dazu:

dass Frauen überproportional häufig Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt sind. Bei Partnerschaftsgewalt liegt der Frauenanteil unter den Opfern bei etwa 79%, bei sexuellen Gewaltdelikten bei über 95%.

Dazu erfahren Männer primär Gewalt durch andere Männer. Zudem erfahren Frauen vor allem schwerere und wiederholte Gewalt.

Eine Studie unseres Bundesministeriums für Inneres widerlegt das. Die Mehrheit der Täter mit diesem Tatmotiv sind autochthone Österreicher. Und das Problem ist gesellschaftsweit.

Damit ist auch der Cobra-Beamte kein Einzelfall. Im Gegensatz zur Drillsergeant-Mama.

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Ich weiß jetzt echt nicht mehr was ich euch darauf antworten soll?

Lest weiter eure Statistiken und fühlt euch bestätigt. Ignoriert einfach die Erfahrungen von Leuten die in diesem Bereich arbeiten und damit täglich zu tun haben. Was haben die auch für eine Ahnung wenn Statistiken das ja widerlegen.

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Ich lebe seit bald 40 Jahren als weibliche Person. :woman_shrugging: Warum zählt deine Realität mehr als meine?

Und um auf

zurückzukommen.
Ich würde mir wirklich wünschen, dass sich Männer tatsächlich für das Wohlbefinden und die Lebensrealität von Frauen interessieren würden. Und sich informieren, indem sie z.B. mal einen Podcast, ein Buch, oder Dokus von Frauen darüber konsumieren, oder echt offen in ihrem weiblichen Umfeld rumfragen und dann vor allem zuhören.
Und wenn man die eigenen Emotionen nicht gut regulieren kann (und damit meine ich nicht, sie zu verdrängen oder in selbstverletzendes Verhalten umzuleiten!), dann sollte Mann sich diesbezüglich weiterbilden, vielleicht auch in einer Männergruppe oder in Therapie Unterstützung suchen.
Also sich selbstständig aktiv damit auseinandersetzen und dazulernen, um das Leben von Frauen gewaltfreier zu machen. Und das dann anderen Männern weiergeben, indem man mit ihnen drüber spricht.

Außerdem ist sicher ein guter Weg Kindern beizubringen, wie man gute Beziehungen führt. Mädchen tendenziell bissl mehr klarmachen, dass eine Partnerschaft nicht alles im Leben ist, und man sich dafür nicht aufopfern muss, und generell nicht alle eigenen Bedürfnisse ständig runterschlucken muss. Und Burschen tendenziell eher mehr Fürsorge für sich und unbedingt auch andere beibringen, gesunden Umgang mit Emotionen, und vielfältigere Möglichkeiten zur Entfaltung.

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Bitte was???
Ich wollte doch nur hinweisen, dass ich beruflich stark in dieser Materie drinnen bin??
Du kannst 40 Jahre als Eichhörnchen leben ist es mir egal.

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Aber wenn du statt Statistiken lieber persönliche Erfahrungen hernimmst, dann kann ich als Frau hier mehrere Jahrzehnte vorweisen, in denen ich mich schon mit männlicher Gewalt auseinandersetzen muss. Und weils halt so wichtig ist, mich auch echt viel mit anderen Frauen dazu austausche. Also ich kann auch die Erfahrungen anderer Frauen einbringen.
Leider decken sich die mit der Statistik.

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Aber das ist doch legitim und mein gutes Recht?

Dass du solch Erfahrungen gemacht hast tut mir persönlich sehr leid, und ich streite doch nicht ab dass es nicht so ist!
Trotzdem rate ich euch vorsichtig mit Statistiken zu sein, da Gewalt an Männern nicht aufscheinen weil sie oft nicht angezeigt werden!
Und die Hintergründe solcher Taten werden in euren heiß geliebten Statistiken auch nicht dargestellt.

Eine Medaille hat immer 2 Seiten, ich kenne halt beruflich beide.
Nicht mehr und nicht weniger.

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Jetzt wird’s skurril. Natürlich vertraue ich validierten und überprüfbaren Statistiken mehr, als einer Meinung. Das hat ja nix mit dir als Person zu tun - du magst diese Erfahrungen vlt. tatsächlich so gemacht haben. Aber wenn du deine Ansichten als die allgemeingültige Wahrheit annimmst, hieße das im Umkehrschluss, dass die Dokumentation der österreichischen Justiz fehlerhaft ist. Und das glaub ich halt weniger.

So übrigens auch mit meiner Arbeit in diversen IAC und Unfall-Aufnahmestationen verschiedener Kliniken in Niederösterreich. Aber die Wahrheit hab ich dennoch nicht gepachtet.

Genausowenig wie jede Gewalttat an Frauen angezeigt wird. Himmel, wie oft ich heulende Männer im Stützpunkt hatte, die deppert nachgefragt haben, ob das eh keine schwere Körperverletzung ist, die sie da ihrer Partnerin (und manchmal sogar Tochter) angetan haben - weil erst dann anzeigepflichtig. Und Überraschung: der Kulturkreis war immer sehr österreichisch. Und wieder: meine persönliche Erfahrung. Aber deckt sich eben auch mit den Statistiken.

Dafür gibts ja auch qualitative Studien.

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nur das es komplett egal ist.
@Ella möchte auf femizide hinweisen und gewalt an frauen.
du willst das aber herunterspielen bzw relativieren damit, dass auch männer gewalt erfahren. das mag vl sein lenkt aber das thema in eine andere richtung, weil du offensichtlich das narrativ kontrollieren willst.

es gibt viele probleme, aber hier ging es um ein offensichtliches problem mit femizid und gewalt an frauen.

alle anderen probleme kann man dann in einem anderen (gewalt an männer - erfahrungsberichte) topic oder ein anderes mal besprechen.

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Ich stimme dir zu, sehe aber zwei strukturelle Spannungen, die man mitdenken muss.

Erstens gibt es einen Zirkelschluss: Die Männer, die sich freiwillig informieren, reflektieren und an sich arbeiten, sind meist nicht jene, von denen Gewalt ausgeht. Diejenigen, bei denen es nötig wäre, bewegen sich oft in Peer Groups, in denen genau dieses Verhalten als „unnötig“, „weich“ oder illoyal gilt. Das heißt nicht, dass Lernen sinnlos ist, aber es erklärt, warum Appelle allein systematisch ins Leere laufen.

Zweitens ist Gewalt gegen Frauen kein individuelles Randproblem, sondern ein strukturelles. Einzelne Männer können Verantwortung für sich übernehmen, und sollten das auch, aber damit lösen sie die zugrunde liegenden Macht-, Rollen- und Eskalationsdynamiken nur sehr begrenzt. Wenn wir ernsthaft dieser Epidemie an Femiziden begegnen wollen, braucht es zusätzlich wirksame gesellschaftliche, rechtliche und institutionelle Antworten.

Persönliche Auseinandersetzung ist notwendig, aber nicht ausreichend. Ohne strukturelle Hebel bleibt sie moralisch richtig, praktisch aber zu schwach, um das Ausmaß des Problems zu verändern.

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welche rechtlichen antworten könntest du dir vorstellen? dass mord nicht ungestraft bleibt, weiß man, einstweilige verfügungen niederschwelliger anbieten? - ja, aber wenn jemand eine tötungsabsicht hat, dann ist ihm das - gelindge gesagt - auch schon egal.

Wenn wir über rechtliche Antworten auf Femizide sprechen, geht es nicht um härtere Strafen. Dass Mord strafbar ist, weiß jeder. Das hat auch noch nie einen Mord verhindert. Das Problem liegt meines Erachtens vor der Tat im Bereich der Prävention. Der Staat hat die Pflicht, Leben zu schützen, wenn schwere Gewalt absehbar ist.

Prävention heißt dabei nicht, Menschen „umzuerziehen“ oder vorzuverurteilen, sondern Risiken ernst zu nehmen. Wenn es klare Warnsignale gibt wie zB Drohungen, Eskalationen, frühere Gewalt , dann muss der Staat handeln dürfen und auch handeln. Das ist keine Verletzung des Rechtsstaats, sondern Teil davon.

Wichtig sind Maßnahmen unterhalb der Haftschwelle: konsequente Annäherungs- und Kontaktverbote mit echten Sanktionen, die auch unangenehm sind, verpflichtende Gewaltinterventionen, die auch wirklich kontrolliert und sanktioniert werden, echte Kontrolle statt bloßer Anordnung. Das sind mildere Eingriffe als Haft und oft die einzige realistische Möglichkeit, Eskalationen zu bremsen. Und natürlich auch die Durchsetzung von diesen. Gewalt muss dann auch Ernst genommen werden.

Genauso wichtig: Schutz darf nicht allein auf die betroffenen Frauen abgewälzt werden. Wenn alles von Anzeigen und Anträgen abhängt, versagt die staatliche Schutzpflicht. Bei klaren Hochrisikofällen braucht es ein amtswegiges Einschreiten.

Wird zugegebenermaßen nicht jeden Fall verhindern, weil man erkennt viele Zeitbomben erst sehr spät, aber man liest immer wieder von: Täter war amtsbekannt und ist bereits im Rahmen von anderen Vorkommnissen auffällig gewesen.

Kein Recht kann jeden Mord verhindern. Aber ein Rechtsstaat darf nicht tatenlos bleiben, wenn Gefahr erkennbar ist. Prävention ist kein Alarmismus, sondern nüchterne Verantwortung und hier sehe ich das Problem, solange Gewalt an Frauen marginalisiert wird bzw. der Prävention sogar die Mittel gekürzt werden, wird man weiter im 2-Wochentakt von ermordeten (Ex-)Frauen lesen.

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klingt sehr vernünftig was du schreibst, aber auch recht komplex und nur personalintensiv umsetzbar. es steht also die frage im raum inwieweit das auch alltagstauglich wäre. va mit im bezug auf, dass nicht nur die opfer schritte ergreifen sollen dürfen.

Mein Einwand, dass der Prävention Mittel gekürzt werden, kommt ja nicht von ungefähr. Ich bin da aber schon der Meinung, dass schon sehr viel erreicht wäre, wenn die unterschiedlichen Stellen sich vernetzen würden.

Aber generell stellt sich die Frage, was es uns als Gesellschaft wert ist, dass die Hälfte der Bevölkerung grundsätzlich keine Angst mehr haben muss, sich von ihrem Partner zu trennen. Geht ja nicht nur um die Morde, die sind dann eh der schlimmstmögliche Eskalationsmove, sondern auch Sachen wie Stalking, Bedrohung etc.

Ich, für meinen Teil, möchte in keiner Gesellschaft leben, in der das normalisiert wird und dann mit einem Schulterzucken hinnimmt oder sogar relativiert.

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Stimmt natürlich @Holzauge. Wobei die Arbeit an Rollenbildern und Beziehungsführungen eine langfristige Wirkung hat, während die rechtlichen Maßnahmen im Idealfall nur eine Übergangslösung sind, bis sich weitgehend verbreitet hat, dass Gewalt an Frauen nicht entschuldbar ist.
In der Regel haben die Typen, die Frauen ermorden ja z.B. keine Probleme damit, ihre Aggressionen gegenüber Vorgesetzten oder männlichen Verwandten im Griff zu haben. Da braucht es keine Annäherungsverbote.
Also ist es auch eine bewusste oder unbewusste Wahl, wem gegenüber sie es für angemessen halten, Gewalt auszuüben, und bei wem ganz klar ist, dass es nicht okay ist. Und da gehts mehr um einen Werte- und Rollenwandel. Eben weniger Besitzdenken gegenüber Frauen, und auch weniger „Eifersucht ist romantisch“, „starke emotionale Taten sind romantisch“, etc. Sowas geht halt leider eher langsam voran. Also auf die Schnelle brauchts natürlich eine Infrastruktur, die unterstützt.

Dass Männer sich intensiver und untereinander austauschen, ist aber deshalb so wichtig, weil sich dadurch eben diese Werte und Rollenbilder langfristig verändern können.

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Teilweise stimme ich dir zu, aber ich würde zwei Punkte trennen.

Erstens: Rollen- und Wertewandel ist wichtig, aber er erklärt nicht alles. Dass Täter ihre Aggressionen gegenüber Vorgesetzten oder anderen Männern kontrollieren können, zeigt gerade nicht, dass Annäherungsverbote oder rechtliche Maßnahmen „unnötig“ sind, sondern dass Gewalt situativ und strategisch eingesetzt wird. Genau deshalb ist sie auch steuerbar, nicht moralisch, aber strukturell. Das spricht eher für gezielte Eingriffe als dagegen.

Zweitens: Wertewandel wirkt langsam und selektiv. Die Männer, die sich reflektieren, austauschen und an Rollenbildern arbeiten, sind oft nicht jene, von denen die höchste Gefahr ausgeht. Darin liegt wie schon gesagt ein Zirkelschluss.

Deshalb können rechtliche Maßnahmen keine bloße Übergangslösung sein, sondern sind ein notwendiges Sicherheitsnetz für konkrete Hochrisikosituationen, unabhängig davon, wie sich gesellschaftliche Werte entwickeln.

Wir können niemals so tun, als ob ein Wertewandel sämtliche gesellschaftliche Schichten zur Gänze durchdringt. Egal worum es geht. Wenn man bedenkt, wie lange Frauen systematisch unterdrückt wurden, dann ist es eigentlich bereits beeindruckend, wie schnell sich bestimmte Dinge ändern. Ich bin aber auch der festen Ansicht, dass sich eine 100%ige Gleichstellung von Mann und Frau weder zu meinen noch zu den Lebzeiten meiner Tochter ausgehen wird.

Ich sehe das daher eher so:
Werte- und Rollenarbeit ist langfristig unverzichtbar, aber sie ersetzt keine präventive Infrastruktur. Und rechtliche Maßnahmen sind kein Zeichen gescheiterten Wertewandels, sondern Ausdruck der Verantwortung, Freiheit auch real absichern zu wollen, gerade dort, wo Werte eben (noch) nicht tragen.

Beides gehört zusammen, aber sie wirken auf unterschiedlichen Ebenen und Zeithorizonten.

Und ich würde noch einen Punkt ergänzen: Selbst bei eindeutigem Wertewandel verschwinden Straftaten nicht. Auch in Bereichen, in denen gesellschaftlich völlig klar ist, dass etwas „nicht okay“ ist zB, Körperverletzung, Diebstahl oder Betrug , passieren weiterhin Delikte. Nicht, weil die Werte unklar wären, sondern weil Werte allein Verhalten nicht vollständig steuern.

Genau deshalb existiert Recht unter anderem. Es ist kein Ersatz für Werte, sondern eine Absicherung dort, wo Werte nicht ausreichen. Dass Gewalt gegen Frauen gesellschaftlich klar als unentschuldbar gilt, ist wichtig, aber selbst diese Klarheit würde Straftaten nicht auf null reduzieren.

Deshalb greifen Wertewandel und rechtliche Maßnahmen nicht alternativ, sondern komplementär. Werte können Orientierung geben, Recht begrenzt Handlungsspielräume. Wer das gegeneinander ausspielt, verkennt, dass moderne Gesellschaften immer beides brauchen.

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Das seh ich eh auch so.

Und das leider ebenso.

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