Studium - was heißt/hieß es für Euch?

Hallo Leute,

mittlerweile bin ich 38 und hole ja gerade die Matura nach (Ende wohl Juni 2017) und informiere mich natürlich jetzt schon über Studienmöglichkeiten, denn Planung ist ja bekannterweise alles.

Es wäre ja wahnsinnig interessant in Richtung Astrophysik oder Quantenmechanik, aber das geht aufgrund der Entfernung, Beziehung, Haus und Finanzen einfach nicht, deshalb versuche ich eine ähnliche Richtung zu finden und bin dabei auf Composite und Leichtbaustoffe gestoßen (FHOÖ-Wels) - die Industrie ist da auch sehr dahinter und man hat ausgezeichnete Chancen für einen Job und ich würde gerne in Richtung Forschung und Entwicklung gehen. Nebenbei muss ich aber 15 Std. mindestens arbeiten und ca. 24 Stunden reine ECTS Zeit an der FH verbringen. Nun - wie seht Ihr selbst Eure Studienzeit?

War es anstrengend? War es herausfordernd? Wie war die Vermittlung der Lehrinhalte? Musstet Ihr Euch selbst zH. alles erarbeiten? Gerade bei Mathe, Physik und Chemie stelle ich mir das doch schwerer vor, da man sowas doch korrekt vermittelt bekommen sollte…

Also ich hab Wirtschaftsinformatik an der Haupt- sowie der Technischen Uni Wien fertig studiert. Studium war klassisch, Vorlesungen (zuhören-Prüfung), Übungen (vor Ort üben, viel “Hausübung”, anwesenheitspflicht) und Seminare (meistens Seminararbeiten, viele Präsentationen).

Programmieren war viel Arbeit, Wirtschaft tlw. bockschwer, Wirtschaftsinformatik ebenso viel Arbeit aber mit Praxisbezug. Und Mathematik war halt sehr schwer. Hab die Matura damals auch am zweiten Bildungsweg gemacht und daher fehlte mir hier einiges. Aber auch für “normale” Maturanten war es hart. Hab dann Nachhilfe bei einem Physiker genommen, der konnte das echt auf Verständnis erklären, dann ging es.

Ich hab auch immer gearbeitet, immer so zwischen 20 und 30h die Woche, was es auch nicht gerade leichter gemacht hat. Aber ich hab klar deshalb studiert um mich beruflich weiter zu entwickeln. Was sind deine Motive?

Wow - 20-30 h nebenbei arbeiten noch dazu… Wahnsinn, dass Du das so durchgedrückt hast.

Motiv - ich will weg aus der Spedition und etwas machen, was mich selbst auch erfüllt. Forschen und entwickeln :slight_smile:

Ich habe zwei Studien abgeschlossen, immer nebenbei gearbeitet und mich ab dem zweiten dann komplett selbst erhalten. Das heißt, ich hatte ab dann einen Job zwischen 15 und 20 Wochenstunden neben dem Studium an der Hochschule (also wie FH sehr schulisch aufgebaut, mit viel Anwesenheitspflicht). Mein Glück war, dass ich einen Job hatte, in dem ich auch am Wochenende und an Feiertagen arbeiten konnte, und in dem es nicht immer total stressig war. So blieb mir Zeit und Energie fürs Studium. Allerdings habe ich im 1. Semester keinen Job gefunden, und da wars auch echt sehr dicht, also weiß nicht, ob ichs da schon kombinieren hätte können. Und ich war in den Vorlesungen meist 1-2 mal und hab dann aber nur noch mit Skript und sonstigem Material für die Prüfungen gelernt. So hatte ich mehr Zeit für die Arbeit.

Ich bin, ehrlich gesagt, ganz froh, dass diese Zeit der Doppelbelsatung jetzt vorbei ist. Es ist dann irgendwie immer so, dass man weder Zeit hat (weil Studium und Arbeit), aber auch kein Geld (weil nicht genug Arbeit und nur Nebenjobgehalt). Also vielleicht musst du deinen Lebensstil dann erst wieder etwas anpassen. Für mich hieß das: Leben in der WG, keine bis wenig kostspielige Freizeitgestaltung (Kino, Reisen, etc.), fast kein Kauf von Luxusgütern wie z.B. Games und Comics :wink: , man geht nicht essen sondern macht sich das selbst (sehr viele Nudeln! :laughing: ), keine Haustiere, kein Auto, etc.

Und wenn man nebenbei arbeitet, kann man davon ausgehen, nicht in Mindeststudienzeit fertig zu werden! Das ist ganz wichtig, falls es irgendwelche finanziellen Unterstützungen für dich gibt. Da spielt das meistens auch eine Rolle. Aber auch für die persönliche Lebensplanung ist das gut zu wissen.

Was den Inhalt und die Qualität des Studiums bzw. der Lehrveranstaltungen angeht, hängt ganz stark davon ab, wo und bei wem man studiert. Es wird LV geben, in denen du drinnen sitzt und absolut nichts davon gebrauchen kannst, außer die ECTS, und es wird aber bestimmt auch total gute ProfessorInnen geben. Und bei manchen LV leisten die Studierenden die ganze Arbeit, bei anderen bekommst du ganz klar alles vorgegeben. An der FH hast du den Vorteil, das wahrscheinlich viel Praxis dabei sein wird! Da lernt man, aus meiner Sicht, besonders viel.

Falls es an deiner Wunsch-FH einen Tag der offenen Tür gibt, red mit Leuten, die dort schon studieren! Frag sie, wie sinnvoll und qualitativ das Studium inhaltlich ist. Und schau vielleicht sogar jetzt schon ein bissl auf Jobplattformen, welche Stellen für dieses Studium ausgeschrieben wären, obs viele sind und was die konkreten Tätigkeiten in den Berufen sind. Grad in Forschung und Entwicklung sind das oft recht monotone Jobs, in denen du immer wieder die gleichen Abläufe hast und dabei nur einen winzigen Teil eines großen Forschungsprojekts abdeckst, weil die Berufe sehr spezialisiert sind. Wie genau das in deiner Wunschbranche ist, weiß ich allerdings nicht.

Hi, ich habe mein (FH-)Masterstudium vor einem Monat abgeschlossen und nebenbei immer gearbeitet.

Ich würde Dir raten, besonders wenn du nebenbei arbeiten willst, etwas zu studieren, das Dich wirklich interessiert. Du wirst teilweise einer starken Doppelbelastung ausgesetzt sein und wenn du dann etwas studierst, nur weil es in der Wirtschaft gefragt ist, dann wird deine Motivation in dieser Zeit stark sinken. Wenn Dich dieses Thema aber wirklich interessiert, dann umso besser - deine Motivation kommt von selbst.

Du wirst natürlich immer Fächer haben, die Dich mehr, und andere die Dich weniger interessieren, aber das ist halt so.

Ich hab immer mind. 20 Stunden neben dem Studium gearbeitet. Anstrengend und herausfordernd? Klar. Speziell in der Prüfungszeit und beim Schreiben deiner Bachelor- und Masterarbeit wirst Du nicht mehr viel Zeit für Deine Hobbys haben. Statt Zocken steht dann Lernen, Schreiben und (Haus-) Übung am Programm.

Gerade am Ende meines Studiums ließ meine Motivation deutlich nach, aber da heißt es durchbeissen und den Abschluss machen.

Als jemand mit Abendmatura wirst du am Anfang (die ersten 2 Semester) sicher mehr gefordert werden als deine Kollegen. Ich habe als AHS-Maturant ein technisches Studium gewählt und die HTL-Absolventen hatten da in vielen Fächern leichtes Spiel, während ich alles von Grund auf lernen musste. Da heißt es wieder durchbeissen! Gerade hier haben sehr viele aufgegeben - sicher ein Drittel (eher die Hälfte) hat die ersten zwei Semester nicht überstanden. Wenn Du aber dahinter bist und das wirklich willst, dann wirst Du es schaffen. :wink:
Ich weiß nicht, wie weit Chemie, Physik und Mathe bei Deiner Matura eine Rolle spielten, aber ich kann mir gut vorstellen, dass Du Dir da einiges im Selbststudium erarbeiten werden musst - wenn du von Anfang an versuchst alles zu verstehen dann geht’s. Bei den Grundlagen musst Du von Beginn an dahinter sein - das noch kurz vor der Prüfung zu erlernen wird in den meisten Fällen nicht klappen. Außerdem hat man am Anfang vom Semester meist noch sehr viel mehr Zeit, denn am Semesterende wird’s in allen Fächern stressig. Also am besten schauen, dass Du das von der Vorlesung verstehst, bevor die nächste Vorlesungseinheit ist.

Alles in allem habe ich das Studium nie bereut! Also mach es, wenn Du die Möglichkeit dazu hast!

(ach ja, kann sein, dass Du Dich unter den anderen Studenten als alter Sack fühlst, aber lass Dich davon nicht einschüchtern - ein paar “Oldies” gibt’s immer und ich finde das gut so :wink: )

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Danke mal für Eure (ausführlichen) Eindrücke. Ich hatte im Grunde ja auch nix anderes erwartet ;-). Zuckerschlecken wird es wohl nie sein, außer wenn man ein fotografisches Gedächtnis hat.

Wo stehst du da jetzt, wie ging das weiter?

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Leider unfinanzierbar für mich gewesen.

Regierung hat die Bildungsteilzeitsbeträge halbiert, die ich gebraucht hätte und bei meinem Ex-Arbeitgeber gingen mir auch die 15 Std. nicht durch, die ich mindestens gebraucht hätte für den Anspruch.

Somit nada… War seit 2018 bei Hofer in der Sattledt - das wurde mir aber jetzt zu blöd, weil es total chaotisch und unterbesetzt war (SAP Einführung, Zentralisieren, bla,bla,bla - alles auf einmal) und noch dazu hat sich der EK-Leiter ausn 3-ten Stock (in der Zentrale!!) gestürzt.

In so einem Unternehmen will ich nicht arbeiten…