Ich schreibe hier ja tendenziell eher selten, aber zu dem Thema würde ich jetzt dann doch ganz gerne mal eine sehr emotional geladene Gegenstimme einbringen und in dem Zusammenhang einen kurzen Schwank aus meinem Leben wiedergeben wenn ihr erlaubt ^^ :
Ich habe seinerzeit den großen Fehler gemacht, für die Oberstufe Latein zu wählen und es hat mir fast das Genick gebrochen in meiner Schul-Laufbahn.
Ich habe eine Affinität für Analytik und Mathematik und ich habe auch dann mit Auszeichnung maturiert, später ein Informatik-Studium abgeschlossen, arbeite auch heute mehr oder minder in der IT und beschäftige mich fast täglich in meiner Freizeit mit STEM-Fächern. Aber Latein habe ich damals trotz sehr netten Lehrers echt mit ach und Krach noch so irgendwie positiv bekommen.
Ich bin ganz ehrlich der Ansicht, dass das kleine Latinum alles ist was ein normaler Mensch in der heutigen Zeit an Latein in seinem Leben brauchen kann und dafür reichen die reduzierten Wochenstunden mehr als aus.
Bezüglich „mathematischer Rätsel“ glaube ich ganze ehrlich, dass das ein von Latein-Lehrern in die Welt gesetzter Hoax ist der übrigens genau zu dieser meiner falschen Selbsteinschätzung geführt hat.
Latein ist nicht „logisch“. Es gibt wie bei jeder anderen Sprache Irreguläre Deklarationen, Eigenheiten die „einfach so sind“ und vor allem Kontext-basierte Übersetzung. Im mathematischen sinne wäre das die Hölle (1 ist ein 1 außer es steht neben einer 3 dann ist es 54). Koreanisch wäre da argumentierbar eine viel logischere Sprache und hätte deutlich mehr realen Nutzen für Menschen in Bezug auf andere Kulturen und Kommunikation.
Wenn ich außerdem einen Querschnitt meiner damaligen Mitschüler nehme, waren genau die gut in Latein, die einfach eine allgemeine Sprach-Affinität hatten. Die haben dann weiter Spanisch, Italienisch usw. gelernt und zeitgleich um alles mathematische in ihrem weiteren Leben einen weiten Bogen gemacht haben.
Diejenigen, die dann aber Mathematik-Lehrer wurden, oder am biologischen Institut Bakterien-Wachstum berechnen oder als Backend-Programmierer im Bankwesen tätig sind, waren alle genauso sch**ße wie ich in dem Fach ^^.
Also nach der Logik würde es für mich Millionen Mal mehr Sinn machen, Schüler einfach ein zwei Stunden die Woche vor Sudokus zu setzen. Würde in Bezug auf „Schulung logischen Denkens“ definitiv mehr bringen.
Ich bin da natürlich entsprechend biased und mag sein, dass mein Leben hier nur ein Fallbeispiel ohne statistische Relevanz ist, aber ich sage: Lass diese Sprache doch bitte endlich Sterben und JA es ist in der heutigen Zeit sooooo viel relevanter für Schüler ein Verständnis von IT und Politik zu haben als Latein.
Ich habe mir noch nie gedacht „boa der weiß ja nichtmal was „veni vidi vici“ heißt, was für ein crétin“, aber ich hab mir sehr wohl gedacht „alter, das ist Faschismus 101 wie kannst du das wählen“ oder „alter, nimm nicht was dir die AI ausspuckt als ungefilterte Wahrheit“ oder „alter, dein PC ist vielleicht deswegen so langsam, weil du „Aviro“ und nicht „Avira“ installiert hast(schlechter Latein-Joke ;P)“. Sehr sehr reale Beispiele denen ich fast jeden Tag über den weg laufe und hinter denen oft zumindest Maturanten stehen.
Also der Fokus ist hier finde ich sehr richtig gesetzt, nur eigentlich noch zu wenig. Musik, Geo, Deutsch und Englisch gehören finde ich alle auch zurück geschraubt und massiv reformiert.
Musik: Wages Grund-Verständnis von Genres und bekannten Persönlichkeiten.
Geo: Fokus auf Länder, Tektonik, Wirtschaft-Bündnisse und Klima. Klingt viel, aber ich finde ohne Probleme 4 einstündige Youtube-Videos aus denen Leute mehr mitnehmen, als aus 8 Jahren Schulbildung in dem Bezug.
Deutsch: Gehört getrennt: Lernen von Deutsch als Zweitsprache (sehr wichtig, am besten jeden Tag) und Lernen von Deutsch aus literarischer Sicht (2 Stunden die Woche reichen). Aus literarischer Sicht: Fokus auf die Klassiker und Verfeinern des Schreibstils. Schreib am PC und bring ihnen bei Vorschläge für Rechtschreibung und Grammatik korrekt zu interpretieren. Scheiß auf Gedicht-Analysen.
Englisch: Zumindest nach der Unterstufe: Heutige Hausübung, konsumiere mindestens drei deiner zu dir genommenen Medien (Buch, Film, Spiel, Youtube, Tictoc) auf Englisch. 4 Jahre später: Glückwunsch du hast B2-Level erreicht. Das ist übrigens Shakespeare und hier ist deine Matura ^^.
Alles andere gehört herausgehoben in ein Modulares-System für Talent/Interessen-Förderung im kleinen Rahmen. Informatik war bei mir ein Freifach indem ich mit vier anderen von meiner Ganzen Schulstufe gesessen bin. Zeitgleich waren 50 Kinder in derselben Schulstufe im Lateinunterricht. Das gehört einfach umgedreht.
Allgemein, gehören viel mehr Kollab-Stunden gemacht, Modulare Mehrstufen-Unterrichtsstunden usw. aber da kommen wir vom 100sten ins 1000ste.
Anyway, danke, dass ihr euch meinen TED-Talk angehört habt, Rant Ende ^^