Ich nehme die Welt etwas anders wahr

Ich möchte mich heute ein klein wenig outen.

Manche von euch, die mich schon länger kennen, wissen ja, dass ich psychisch nicht wirklich gesund bin. Ich leide seit meiner frühen Jugend an einer schizo-affketiven Psychose.

Der Grund, warum ich dieses Topic eröffne, ist jener, dass ich die letzten beiden Tage einen ziemlich heftigen Schub hatte und keiner da war, mit dem ich mich hätte austauschen können. Dabei hätte ich das wirklich dringend nötig gehabt.

Also schaffe ich mir mit diesem Topic selbst ein kleines Ventil, das ich für zukünftige schlechte Phasen ein wenig öffnen kann.

Wie steht ihr zu psychischen Erkrankungen? Ein Tabuthema?

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Moin.

Meiner Meinung nach ist das genauso wenig ein Tabuthema, wie Homosexualität eine Krankheit ist🤔

Wenn es dir hilft Druck abzulassen, dann denke ich solltest du es machen. Ob es helfen wird, wird sich die Zeit zeigen. Ich denke persönlicher Kontakt ist effektiver. Ist echt … zu lesen, dass du in dieser Zeit alleine warst :roll_eyes:

Ich kann dir gerne anbieten, wenn du jemanden zum plaudern oder so brauchst, kannst du dich gerne melden.

Lg

Es ist nicht wirklich so, dass ich alleine wäre. Zumindest müsste ich nicht alleine sein. Aber ich habe Skrupel, jemanden mit diesen Problemen zu belästigen. Ich weiss ja auch, dass ich nicht besonders gesprächig bin in solchen Phasen. Aber ich suche immer jemanden, der „da ist“.

Ich kann mich echt nicht überwinden, jemanden zu bitten, bei mir zu sein und mit mir zu schweigen.

Das ist echt ein feiner Zug von dir, vielen Dank. Vielleicht komme ich irgendwann darauf zurück. Obwohl es für dich sicher nicht einfach werden würde…

Puh - das klingt sehr heftig, wenn ich mir die ersten #tags im I-net lese. Generell denke ich aber, dass man nie jemanden (zumindest Familie, Freunde, community) „belästigt“, wenn man seine Probleme los werden möchte. Dafür sind diese Gruppen da. Ich selbst „kämpfe“ auch seit Mitte Februar mit Tinnitus und begleitender Depression, aber ich tue wirklich alles dafür, dass es sich ändert, bessert und es wieder bergauf geht.

Die Kunst sich selbst zu lenken, ist, dass man merkt, wenn es einem schlecht geht und dann ganz gezielt gegensteuert. Das habe ich in dieser Zeit gelernt, wenn ich merke, dass ein Tag Scheiße beginnt und der Tinnitus auch in ruhigen Phasen extrem anstrengend wird und ich einen Schub „nach unten“ bekomme, dann geht mir schon der Gedanke auf „Achtung - da zieht dich was nach unten“ und dann steuere ich aktiv gegen und das konnte ich früher z.b. nie.

Auch eine gute Methode - für jeden negativen Gedanken, 3 andere positive Dinge in die Erinnerung rufen. Das können Kleinigkeiten sein -> heute gibts noch gutes Essen, das Wetter ist super sonnig, ich habe einen Erfolg in der und jener Hinsicht.

Ich gebe dir natürlich dahingehend recht, dass man lernen kann, mit seiner Krankheit umzugehen. Und ich meine, dass ich das in meinem Fall auch ganz gut geschafft habe. Immerhin ist es mir ganz gut möglich, ein selbständiges Leben zu führen, was ja nicht bei allen meiner Leidensgenossen der Fall ist.

Aber wenn mal ein echter Schub kommt, dann kann ich mir leider nicht mehr selbst helfen, indem ich mir gut zurede. Man kann einen kranken Verstand nicht mit demselben kranken Verstand heilen. Zumindest ist das meine Erfahrung.

In Phasen, in denen es mir gut geht (und die überwiegen Gott sei Dank dank guter Medikation), kann ich aber selbstverständlich etwas gegensteuern. Und ich weiß, was ich in meinem Leben meiden muss und worauf ich lieber verzichten sollte. Das ist schon mal gut.

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Wie bereits von @Aztec_Mystic erwähnt wurdem sehe ich das genauso wenig als Belästigung. Eher mutig, darüber zu reden. Eine Belästigung wäre es dann nur, wenn es jemand nicht versteht oder verstehen will und du ihn dann weiter damit konfrontierst.

Es gibt wie bei jedem Thema welche die sich damit beschäftigen wollen und welche nicht.

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Darf ich frech sein und fragen wie sich das zeigt? Was geht da vor in deinem Kopf?

Bist du Andy Art? :speak_no_evil:

Bitte was? :thinking: :thinking: :innocent:

Das empfinde ich als überhaupt nicht frech, diese Frage ist - denke ich - ganz natürlich.

Also, wenn ich so wie jetzt medikamentös gut eingestellt bin, ist der Spuk nicht ganz so schlimm und ich weiß, es geht schnell wieder vorbei. Ich verfalle in Wahnideen, die sich derart gestalten, dass ich alles, was ich tue und was mir begegnet dahin auslege, dass mir etwas Schlimmes widerfährt.
Wenn ich zum Beispiel einen Kaugummi auf der Straße ausspucke, dann kommen mir zu Hause bedenken, ob nicht ein Auto dran kleben bleibt und ich somit eine Massenkarambolage verursacht habe. Also völlig abstruse Ideen, die für mich dann aber die Wirklichkeit, die Realität darstellen. Und das war nur ein Beispiel.

Wenn es mit meinen Medikamenten nicht passt, rutsche ich immer tiefer hinein. Dann kommen Gedanken, ich würde auf der Straße unabsichtlich reihenweise Menschen niederrennen, die dann stürzen und sterben. Dann kommen die Halluzinationen, denn dann sehe ich die Menschen auch noch. In Blutlachen und mit aufgeplatzten Schädeln. Und ich bin schwer davon zu überzeugen, dass ich nicht unabsichtlich getötet habe.

Selbstverständlich gehen damit heftigste Depressionen einher, weil wer fühlt sich schon glücklich, wenn er meint, er trage Schuld am Tod anderer Menschen.

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Du meinst Scary Art? Nein, Gott sei Dank nicht.

Ich hatte aber mal eine zeitlang einen ziemlich präsenten Begleiter, der sich Dorin Pantea genannt hat.

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Hallo.

Ich finde es gut, dass du darüber schreibst. Wichtig ist es sich Hilfe zu holen, wenn man selber nicht mehr weiter kann.
Für eine psychische Erkrankung kann mann nichts. Daher braucht man sich nicht dafür zu schämen. Natürlich ist es trotzdem für einen belastend.

Bei einer Psychose ist man nicht mehr zurechnungsfähig und kann daher nichts für seinen Zustand. Dh bei einer Psychose helfen nur Medikamente. In deinem Fall wohl sogenannte Neuroleptika. Die im besten Fall ein wenig die Spannungsspitzen nehmen und den Ausbruch zumindest teilweise verhindern.

Ich bin übrigens Psychotherapeut in Ausbildung. Dh. noch nicht fertig, darf aber schon praktizieren unter Aufsicht. :slight_smile:

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Hallo Harry!

Finde ich cool, dass wir hier in unserer kleinen aber feinen Runde auch einen Psychotherapeuten haben. Ich habe schon hunderte Stunden Psychotherapie hinter mir und ich muss sagen, das hat mir auch sehr gut getan.

Medikamentös bin ich soweit gut eingestellt, weshalb meine Phasen erstens nicht mehr ganz so fatal ausfallen und zweitens auch nicht mehr lange dauern.

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