Bewerbungsgespräche

#1

Da ich aktuell auf der Suche bin, wollte ich euch mal fragen, wie eure Erfahrungen so sind. Ich habe in meiner letzten Arbeit ja Ende Februar aufgehört - habe bis dato 87 Bewerbungen geschrieben und bis Ende April dann 29 Gespräche geführt.

Grund für meinen Ausstieg bei der alten Arbeit war einfach das Chaos und die enorme Personalfluktuation bzw. hat sich dann noch Ende Februar der Einkaufsleiter (bzw. ist einer der 5 stellvertretenden Geschäftsführer) aus dem 3-ten Stock in der Zentrale geworfen - drum habe ich auch einen schnellen cut “einvernehmlich” gemacht, weil ich in so einer Fa. nicht arbeiten will.

Noch dazu hat sich leider meine Tante auf dieselbe Art & Weise das Leben genommen… (das ich aber so natürlich nie erwähne im Gespräch!)

Es ist dann immer erstaunlich, um auf das Thema zurückzukommen, wie teilweise unverschämt die Gespräche laufen. Gerade hatte ich wieder eine “2-te Runde”, wo dann auch der GF gefragt hat, ob ich jetzt eben seit “1 1/2 Monaten” zH. sitze und nichts mache!". Dann noch ca. 5 x in Summe nachgefragt, während des Gesprächs über Dinge die ich im vor 5 Min. gesagt habe (nur mit einem halben Ohr zugehört) bzw. Gesprächspartner dann teilweise richtig im Sessel “herumlümmeln” und es nicht mal schaffen gerade zu sitzen.

K.a. - vielleicht habe ich nen hohen Anspruch, aber ich gehe grundsätzlich zu Gesprächen mit Anzughose, Gelee, Krawatte und Hemd, frisch rasiert und gekampelt, habe alle meine Dokumente mit und informiere mich vorher über die Fa. und notiere mich auch Fragen etc.!

Fallweise bin ich dann über die Art & Weise der Gesprächspartner doch erstaunt bzw. mit manchen Meldungen überrumpelt, wie frech die Aussagen und Fragen sind. Fallweise kommt man sich vor wie in einem Verhör bzw. muss sich für alles und jenes rechtfertigen. Erklären, begründen ist klar, aber ich denke, dass generell (keiner) einem anderen eine Rechenschaft ablegen muss.

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#2

Ich weiß leider nicht in welchem Bereich du arbeitest bzw. willst.
Aber oftmals kann so ein Auftritt mit Krawatte, Sakko usw. auch nicht förderlich sein.

#3

Ich suche im internationalen Vertriebsinnendienst, Exportsachbearbeitung / produzierende bzw. Handelsunternehmen (ergo - Büro).

Wieso meinst du nicht förderlich? Für mich persönlich ist es halt eine Sache des Respektes, dass ich mich bestmöglich anziehe und wenn man dann z.b. schnuppern kommt, halt vorher fragt, wie der Dresscode so generell ist.

#4

Ja ich habe auch immer so gedacht, mittlerweile ist es aber so, dass man auch durchaus “overdressed” sein kann. Man sollte nicht besser angezogen sein, als der gegenüber.

#5

TJa - aber das kann man ja nie wissen… woher auch? Ich finde ehrlich gesagt ne Jean und Hemd/Schuhe underdressed. Gerade bei Konzernen oder Banken (bzw. auch z.b. bei Hofer) gibt es Dresscodes.

Aber in erster Instanz sollte es ja nicht um den Dresscode gehen, sondern um die Erlebnisse, die man selbst gehabt hat.

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#6

Ein sehr guter Freund arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt in der HR einer großen Versicherungsanstalt und ist mittlerweile für die Bewerbungsgespräche zuständig. Sein Kommentar vor Jahren war sehr lapidar: “Manchmal suchen wir jemanden der ein bestimmtes Programm kann, damit wir uns die Einschulung dafür ersparen. Dann laden wir alle ein, die es können und dann achte ich auf den Ersteindruck. Weil er muss das Programm können und mit den Leuten zusammenpassen. Ist das erfüllt muss ich aber Bullshitfragen stellen, die mich selbst nicht interessieren, aber dann können wir so tun, als ob wir eine objektive Entscheidung getroffen haben. Die haben wir aber schon beim Aussieben getroffen, weil wir wollten Leute, die das Programm können.”

So läufts wohl fast überall ab. Damals bei mir wars auch nicht anders. Genommen wurde ich, weil ich einer der wenigen war, der das Unternehmen schon vorher kannte und über den Tätigkeitsbereich eine Seminararbeit geschrieben habe und weil mich mein Chef von der ersten Minute an mochte.

Anzug tragen ist in meiner Branche aber noch Pflicht, auch wenn ich selbst das letzte Mal bei diesem Bewerbungsgespräch einen getragen habe.

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#7

Bin zwar jetzt seit 9 Jahren in meinem Job, aber die 12 Jahre davor war ich auch in einigen Unternehmen, Banken, Versicherungen, Softwarehäusern. Und meiner Meinung nach gibt es für Vorstellungsgespräche nur ein Zauberwort: Authentizität.

Ich für meinen Teil war nie mit Krawatte oder gar im Anzug bei einem Vorstellungsgespräch und wenn man mich deswegen nicht genommen hätte, dann hätte es dort eh nicht gepasst. Ich war immer aufrichtig, auch wenn es mal nicht so gemütlich war oder mir etwas nicht gepasst hat. Ich bin und war immer sehr, seeehhhrrr, SSSEEEHHHRRR von mir überzeugt, das half sicher. Es ging immer gut aus.

Dieser Stil passt natürlich nicht für jeden, das ist mir durchaus bewusst, mir war es aber immer wichtig, dass ich mich nicht verstelle. Und mit Anzug würde ich das tun. Ich war mit Jean und Hemd oder gar T-Shirt und Weste auch in jedem Meeting mit Accenture und Co. most-underdressed-person-ever, aber das war und ist mir ziemlich Wurscht.

Wäre eh spannend wie es heute liefe, da ich durch die Jahre in meinem erlernten Beruf alles andere als up-to-date bin. Als Lehrer kannst sowieso nie wieder in den freien Markt, da bist leider komplett verwöhnt von den Rahmenbedingungen, obwohl es mich schon manchmal reizen würde wieder etwas mehr gefordert zu sein (und mehr zu verdienen - wobei es eh fair ist)

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#8

Bewerbungsgespräche sind immer eine witzige Sache. Kann mich da grundsätzlich nur @Wiesi anschließen. Nur anziehen worin man sich auch zu 100% wohl fühlt. Möglichst ehrlich sein und immer vor Augen haben, dass man kein Bittsteller ist, sondern die Firma sich durchaus auch einem gegenüber als interessanter Arbeitgeber verkaufen muss.

Hatte da auch schon ein paar Interessante Bewerbungsgespräche. Am spannendsten fand ich damals einen Bewerbungsprozess bei der Strabag. Ging um einen IT Job und ich war geschlagene drei mal dort für Gespräche, immer mit einem Chef darüber und nicht eine einzige Frage drehte sich dabei um meine Qualifikationen oder mein Wissen. Hab den Job dann übrigens nicht bekommen.^^ Wurde dann am Ende anscheinend so lange vertröstet bis der/die andere wohl unterschrieben hat.

Ich denke der wichtigste Faktor bei Bewerbungsgespräch ist die persönliche Ebene, wenn die passt, dann hat man den Job praktisch in der Tasche. Außer man fordert exorbitante Summen oder hat wirklich gar keine Ahnung von betreffenden Firma. :smiley: Zumindest war es bei mir meist so und ich hatte bis dato 5 unterschiedliche Jobs und insgesamt vielleicht 10 Bewerbungsgespräche (Also Erstrunden). Aber ich war damals auch noch jünger, direkt aus der HTL und hatte IT Kenntnisse. Das hat da eigentlich immer gereicht. :smiley:

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#9

Die Aussage ist enorm wichtig! Ich sehe mich immer als Selbstständiger der seine Fähigkeiten an ein Unternehmen verkauft. Ich komme also nie als Bettler zum Gespräch sondern als die Person, die sich einem Unternehmen zu den passenden Bedingungen zur Verfügung stellt. Allein diese Einstellung führt in der Regel zu Gesprächen auf Augenhöhe.

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#10

Ich denke jogging hosen kommen am besten, da denkt der Chef du bist ein Sportlicher, gemütlicher typ. Klug wäre es vorher noch seinen einkauf beim lidl erledigen und das Sackerl mitnehmen, dann sieht der Chef das du Selbstständig bist, alleine einkaufen gehst usw.

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#11

Wenn man dazu wie Haftbefehl spricht, dann erkennt der Chef in Spe, dass man volksnah ist.

#12

nicht vergessen: ärmel aufrollen/kurzärmliges anziehen um die hefntätoos herzuzeigen.

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#13

Oder wie Arafat Abou chaker.

Wenn man das alles vorher verfolgt hat, was vorgefallen ist, wer er ist usw usw. ist dieses Interview lustiger als jeder Film der Welt. Arafat ist einer der Gefährlichsten clan bosse berlins… Aber er ist auch so ungewollt lustig das ich teilweise tränen lachen musste.

Sorry für Offtopic !

Zurück zum Thema.

#14

Nach:
2 Monaten
100 Bewerbungen
34 Erstrundengesprächen
12 Zweitrundengesprächen

bin ich am Ziel angelangt. Mein Wunschunternehmen hat mir heute zugesagt und am 01.06.19 geht es los (zu meinen Bedingungen!).

Jetzt kann ich endlich wieder beruhigt zocken und wirklich den Mai voll genießen. Sehr geil!

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#15

Gratulation! :clap:

#16

Hoffentlich gefällt es dir dann auch.
Bin auch in meinem Wunschunternehmen gelandet - habe im November 2 Wochen lang Job gesucht, aber es ist nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt hab :wink:

EDIT: nutze die zeit und spiel bis in die Nacht! :wink:
Hab in der freien Zeit damals Platinum geholt bei Horizon Zero Dawn… 70h mit DLC lt. Statistik

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#17

Das wird schon, habe echt viel sondiert! Und das war anstrengender, als man glauben möchte.

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